Soziale Kontakte für Versorgung traumatisierter Kinder aus Ukraine wichtig

Wiesbaden – Soziale Kontakte sind für die Versorgung psychisch belasteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine sehr wichtig. Verbringen die Eltern täglich Zeit mit Deutschen, nehmen sie dabei häufiger professionelle Unterstützung in Anspruch, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine heute in Wiesbaden mitteilte.
46 Prozent der Kinder und Jugendliche mit einem geringen psychischen Wohlbefinden, deren Eltern häufig Kontakt mit Deutschen haben, erhalten professionelle Unterstützung. Haben Familien seltener Kontakt zu Deutschen, liegt dieser Anteil bei 29 Prozent.
In der Erhebung wurden Eltern aus der Ukraine im vergangenen Jahr gefragt, ob ihre Kinder seit der Ankunft in Deutschland wegen psychischer Probleme Unterstützungsangebote nutzten, sei es professioneller oder informeller Art.
Den Ergebnissen zufolge war das psychische Wohlbefinden ukrainischer Kinder und Jugendlicher zu Beginn ihres Aufenthalts in Deutschland deutlich schlechter als das von Gleichaltrigen im Land. Zwar besserte sich das nach einem Jahr, dennoch ging es 2023 immer noch 67 Prozent der Minderjährigen aus der Ukraine psychisch schlechter als Gleichaltrigen.
Etwa jedes dritte Kind mit geringem mentalen Wohlbefinden bekam bis 2025 seit der Ankunft in Deutschland fachliche Hilfe. 18 Prozent wandten sich an einen Kinderarzt. Zehn Prozent erhielten therapeutische Hilfe. Vergleichsweise selten waren mit je sechs Prozent Beratungen durch Schulpsychologen oder die Nutzung psychologischer Onlineangebote.
Dabei zeigte sich, dass die Inanspruchnahme professioneller Hilfe nichts mit der Erwerbstätigkeit der Eltern zu tun hat, sondern damit, ob sie schon früh nach ihrer Ankunft regelmäßig Zeit mit Deutschen verbrachten. „Mentale Gesundheit ist die Grundlage für eine förderliche Entwicklung und die Ausschöpfung von Bildungspotenzialen“, erklärte Anna Daelen vom BIB.
Unabhängig davon, ob geflüchtete Kinder und Jugendliche langfristig in Deutschland bleiben oder nicht, sei es essenziell für ihre weitere Entwicklung, ihr psychisches Wohlbefinden zu verbessern, ergänzte BIB-Direktorin Katharina Spieß.
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