Sozialer Abstieg und Gesundheitsrisiken im Ruhrgebiet

Bochum/Gelsenkirchen – Eine bessere Abstimmung und Zusammenarbeit von Gesundheits-, Sozial- und Bildungspolitik haben Wissenschaftler aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) und der Ruhr-Universität Bochum gefordert. Sie folgern dies aus einer neuen Studie, welche die Zusammenhänge zwischen sozialem Abstieg und Gesundheitsrisiken im Ruhrgebiet beleuchtet.
Zwischen den Regionen Nordrhein-Westfalens gibt es starke Unterschiede in der sozialen, demografischen und gesundheitlichen Lage. Wo das Einkommen relativ hoch ist und wo viele Einwohner mit höherem Bildungsabschluss leben, gibt es weniger Krankheitsfälle als in den von Strukturwandel besonders stark betroffenen Städten des nördlichen Ruhrgebiets.
Die Sozialwissenschaftler Elke Dahlbeck vom IAT und Marc Neu von der Ruhr-Universität Bochum haben für die Studie Daten zur Sozialstruktur wie Arbeitslosigkeit, Einkommen und Bildungsniveau mit Daten der Krankenhausstatistik abgeglichen. Insbesondere bei Lungenkrebs, Diabetes und alkoholbedingten Lebererkrankungen spiegeln sich die sozialen Unterschiede zwischen den Regionen auch in gesundheitlichen Unterschieden wider.
Die armen schrumpfenden Städte des nördlichen Ruhrgebiets sind hiervon besonders stark betroffen. „Hier überlagern sich Arbeitslosigkeit, Arbeitslosengeld-II-Bezug, Bildungs- und Einkommensarmut sowie Krankenhausfälle bei den Indikationen Lungenkrebs, Lebererkrankungen, Diabetes sowie verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so die Wissenschaftler.
Dagegen seien die Universitätsstädte, die sich durch ein überdurchschnittliches Bildungsniveau und hohen Wohlstand auszeichneten, von den untersuchten Indikationen nur unterdurchschnittlich betroffen. Die unterschiedlichen sozialen und gesundheitlichen Lagen führten auch zu einer unterschiedlichen Lebenserwartung in den verschiedenen Kreisen und kreisfreien Städten.
Die Forscher schlagen vor, die Gesundheits- und Sozialdienste stärker zu vernetzen. Dafür sei eine entsprechende gemeinsame Berichterstattung wichtig, hieß es aus der Arbeitsgruppe.
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