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Sparpläne für München Klinik Harlaching: Ärzte wenden sich an Politik und Aufsichtsrat

  • Mittwoch, 28. Oktober 2026
/sudok1, stock.adobe.com
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München – Die München Klinik Harlaching plant Zusammenlegungen und Personalkürzungen bei drei Intensivstationen. In einem Schreiben an Stadtspitze, Aufsichtsrat und Kommunalpolitik wenden sich die Ärzte des Klinikums nun vehement gegen diesen Schritt.

Die geplanten und bereits vollzogenen Personalkürzungen und Umstrukturierungen der Geschäftsführung würden die Versorgung akut und schwer erkrankter Patientinnen und Patienten im Münchner Süden „massiv gefährden“, heißt es in dem Brief vom 27. Oktober, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

Konkret geplant ist demzufolge ab Januar 2027 die bisher eigenständigen ärztlichen Teams der internistischen, anästhesiologischen und neurologischen Intensivstation zusammenzulegen und personell zu reduzieren. Für 18 Intensivbetten, perspektivisch bis zu 24, sollen 18,5 ärztliche Vollkräfte vorgesehen sein, wie dem Brief zu entnehmen ist.

Die Ärzte schreiben dazu, dass das von der Geschäftsführung geplante Konzept „rechnerisch nur noch zwei Dienstschienen“ für drei räumlich getrennte Intensivstationen zulässt. Damit könnten die Patienten der bisher drei Intensivstationen nicht mehr rund um die Uhr von Ärzten aller drei Fachrichtungen betreut werden. „Keine der drei Fachrichtungen kann die anderen ersetzen.“

Ein weiteres Problem: Die ärztlichen Teams übernehmen weitere Notfallaufgaben für das gesamte Krankenhaus. Dazu gehören Reanimationen, Schockraumeinsätze und die Versorgung geburtshilflicher Notfälle. Hinzu kommen überregionale ECMO-Einsätze, bei denen ein spezielles Herz-Lungen-Unterstützungsverfahren zum Einsatz kommt. Harlaching ist überregionales Traumazentrum, Cardiac Arrest Center, ECMO-Zentrum und Level-1-Perinatalzentrum.

Weil Notfälle nicht planbar seien, sei für die Besetzung nicht entscheidend, wie häufig eine Aufgabe vorkomme, sondern dass sie jederzeit ohne Verzögerung übernommen werden könne. „Was geschieht, wenn gleichzeitig eine Patientin auf der Intensivstation instabil wird, ein Schwerverletzter eingeliefert wird und im Haus eine Reanimation läuft? Solche Situationen kommen in unserem Haus regelmäßig vor“, heißt es in dem Brief.

Sie beantworten die Frage in dem Schreiben selbst: „Im geplanten Modell bedeutet das: Ist die diensthabende Ärztin oder der diensthabende Arzt außerhalb der Station gebunden, kann ein nicht aufschiebbarer Eingriff auf der Station – eine Intubation, die Anlage einer Dialyse oder ECMO, die Behandlung eines akuten Hirndruckanstiegs – nicht sofort erfolgen.“ Solche Verzögerungen führen zu „vermeidbaren Schäden“ bei Patientinnen und Patienten.

Die Geschäftsführung hat nach Aussagen der Ärzte des Klinikums ein Gespräch abgelehnt und mitgeteilt, die Umsetzung ab Januar 2027 stehe „nicht zur Disposition“. Die Anpassung der ärztlichen Besetzung sei „nicht verhandelbar“. Für die Ausgestaltung und Umsetzung seien die Chefärzte des Klinikums zuständig.

Aus Sicht der Belegschaft lässt sich die Verantwortung aber nicht an die Chefärztinnen und Chefärzte weiterreichen, wenn die Geschäftsführung den personellen Rahmen verbindlich vorgibt. Kämen Patienten zu Schaden, weil keine Ärztin und kein Arzt rechtzeitig verfügbar gewesen sei, könne „ein Organisationsverschulden vorliegen“.

Im Brief kündigen die Ärzte an, jede Unterbesetzung, die aus dem neuen Modell folgt, mit Gefährdungsanzeigen zu dokumentieren. „Mit diesem Schreiben sind Sie über diese Risiken informiert. Die Verantwortung für eine solche Organisation tragen diejenigen, die das Modell in Kenntnis dieser Risiken beschließen.“

Die Klinik teilte auf Anfrage mit, man behandele weniger Patienten mit mehr Personal als vor der Coronapandemie. Der Personalbedarf müsse an die aktuelle Leistung angepasst werden, auch im Rahmen der geplanten Zusammenarbeit der drei Intensivstationen in Harlaching.

Im Harlachinger Neubau finde die intensivmedizinische Versorgung erstmals auf einer Ebene und räumlich in einer zusammenhängenden Einheit statt. Der Neubau habe für diese Zusammenführung der Dienstschienen ein passendes Umfeld.

Die Beteiligten inklusive des Betriebsrats würden in die Umsetzung mit eingebunden. Auch die München Klinik müsse sich den veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen stellen. Im Mittelpunkt aller Überlegungen stehe eine sichere und gute Patientenversorgung, hieß es.

Ärztegewerkschaft stützt Klinikärzte

Der Marburger Bund Bayern (MB Bayern) rief den Aufsichtsrat des Klinikums heute auf, die geplante Umstrukturierung in der Aufsichtsratssitzung zu überprüfen.

„Wenn auf der Intensivstation eine Patientin instabil wird, ein Schwerverletzter eingeliefert wird und im Haus eine Reanimation läuft, dann fehlt in diesem Modell schlicht ein Arzt“, sagte Andreas Botzlar, Landesvorsitzender des MB Bayern. „Notfallmedizin lebt von Vorhaltung. Wer hier kürzt, spart nicht Personal, sondern Sicherheit.“

Auch das Vorgehen kritisierte der MB Bayern. Nach Darstellung der Beschäftigten wurde die vorgesehene Personalstärke von der Geschäftsführung gemeinsam mit einer externen Beratungsfirma festgelegt. Auf welcher medizinischen Grundlage diese Zahl beruht, ist für die betroffenen Ärzte nicht nachvollziehbar.

Der Marburger Bund Bayern hat den Aufsichtsrat der München Klinik aufgerufen, sich in seiner Sitzung am 29. Oktober für eine Aussetzung der geplanten Umsetzung in der jetzigen Form und im vorgesehenen Zeitplan einzusetzen.

Vor einer Entscheidung müssen aus Sicht der Ärztegewerkschaft die Berechnungsgrundlagen für die ärztliche Personalbemessung offengelegt und die Auswirkungen auf Patientensicherheit, Notfallversorgung und ärztliche Weiterbildung unabhängig und fachlich fundiert geprüft werden.

„Ein tragfähiges neues Konzept muss gemeinsam mit der Ärzteschaft, der Pflege und dem Betriebsrat erarbeitet werden“, schreibt der MB. Die Patientensicherheit und eine qualifizierte ärztliche Weiterbildung müssten „verbindlich gewährleistet sein“.

may

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