Ärzteschaft

Uniklinikum Regensburg: Ärzte beklagen Arbeitsbedingungen, Streit um Umfrage

  • Donnerstag, 22. Oktober 2026
/picture alliance, Armin Weigel
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Regensburg – Um das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) gibt es weiter Kontroversen. Hintergrund sind Sparvorgaben aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (STMWK), ärztliche Stellen abzubauen. Das hatte den Marburger Bund (MB) Bayern auf den Plan gerufen, der die Arbeitsbedingungen am UKR abgefragt hat. Über die Interpretation wird nun gestritten.

An der Umfrage des MB haben sich vom 23. September bis 9. Oktober 2026 317 ärztliche Beschäftigte des UKR beteiligt. Unter Berufung auf das Deutsche Krankenhausverzeichnis sind den Angaben zufolge derzeit 660 Ärztinnen und Ärzte am UKR tätig. Rund 65 der Antworten stammen von Ärzten in Weiterbildung. 16 Prozent waren Fachärzte, 14,4 Oberärzte. 83 Prozent von ihnen haben einen befristeten Arbeitsvertrag.

82,8 Prozent der Befragten halten der Umfrage zufolge zu wenig ärztliches Personal für einen Faktor, der zur besonderen Arbeitsbelastung am UKR beiträgt. 98,9 Prozent erwarten, dass ein weiterer Abbau ärztlicher Stellen die Patientensicherheit beeinträchtigen würde.

Die hohe Zahl befristeter Arbeitsverhältnisse verschärft die angespannte Personalsituation aus Sicht des MB zusätzlich. Knapp 83 Prozent der Befragten arbeiten aktuell befristet. Rund 44 Prozent hatten bereits drei oder mehr befristete Verträge am UKR, knapp 20 Prozent sogar vier oder mehr.

72 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte am UKR haben in den vergangenen zwölf Monaten nach eigenen Aussagen mindestens eine Situation erlebt, in der die Patientensicherheit wegen Zeit- oder Personalmangels gefährdet gewesen ist. Fast 70 Prozent haben dies mehrfach erlebt, wie sie angeben. Knapp 83 Prozent berichten von mindestens einem Beinahe-Fehler aufgrund von Zeitdruck oder Personalmangel.

Probleme bei Arbeitsbelastung und Personalausstattung

„Natürlich müssen auch Universitätskliniken wirtschaftlich arbeiten“, sagte der MB-Landesvorsitzende Andreas Botzlar. Aber einfach ärztliche Kapazitäten abzubauen und darauf zu hoffen, dass Versorgung, Forschung und Lehre trotzdem unverändert funktionierten, sei „keine verantwortungsvolle Unternehmensführung“. Er sprach von „Roulette“ mit der Sicherheit von Patienten.

Für ihn zeigen die Rückmeldungen erhebliche Probleme bei Arbeitsbelastung, Personalausstattung und Beschäftigungsperspektiven. Die hohe Zahl berichteter Gefährdungssituationen und Beinahe-Fehler zeigt aus Sicht des Marburger Bundes, dass es längst nicht mehr nur um die Arbeitsbedingungen der Ärzte geht.

Der Marburger Bund mahnte an, einen weiteren pauschalen Abbau ärztlicher Stellen am UKR auszuschließen. Zugleich brauche es verlässlichere Beschäftigungsperspektiven, Kettenbefristungen müssten zurückgedrängt und mehr dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden, wie es hieß.

Der MB rief auch den Freistaat Bayern auf, sich zu positionieren. „Der Freistaat kann sich bei dieser Entwicklung nicht auf die Rolle eines Beobachters zurückziehen. Er muss klar sagen, welche personelle Ausstattung er für erforderlich hält und wie er sicherstellen will, dass wirtschaftlicher Druck nicht zulasten der Patientenversorgung geht“, sagte Botzlar.

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) wies die Darstellung des Marburger Bundes zurück. „Was der Marburger Bund hier betreibt, ist unseriös und unlauter“, sagte er dem Deutschen Ärzteblatt auf Nachfrage. Seit Monaten werde ein Universitätsklinikum mit einer Desinformationskampagne an den Pranger gestellt.

„Wer mit den Ängsten der Patientinnen und Patienten spielt und die Beschäftigten für eine öffentliche Kampagne instrumentalisiert, überschreitet klar eine rote Linie“, findet Blume. Der Marburger Bund verspielt damit aus seiner Sicht „jede Glaubwürdigkeit und schadet dem Vertrauen in die Universitätsmedizin“.

Zur Frage der Finanzierung sagte Blume, Spitzenmedizin brauche auch eine starke Finanzierung. Der Freistaat habe deshalb seine Zuweisungen für Forschung und Lehre an die bayerischen Universitätsklinika auf ein Rekordniveau gesteigert. „Als Präsident der Wissenschaftsministerkonferenz trete ich gemeinsam mit meinen Länderkollegen auch für eine auskömmliche und verlässliche Finanzierung der Universitätsmedizin in Deutschland ein“, sagte er.

Sparvorgaben aus Ministerium bleiben unerwähnt

Blume lässt dabei unerwähnt, dass sein Ministerium das UKR in einem Schreiben dazu angehalten hat, „alle Maßnahmen zu treffen“, die erforderlich seien, um ein zu erwartendes negative Ergebnis so weit wie möglich zu reduzieren und in Zukunft wieder ein ausgeglichenes Jahresergebnis zu erreichen.

Weiter heißt es darin, es sei seit 2019 ein Aufbau des ärztlichen Personals um etwa 64 Vollzeitäquivalente erfolgt. Dieser „erhebliche Personalaufbau“ könne aufgrund von „ausgebliebenen Leistungsausweitungen“ jedoch „nicht refinanziert“ werden und trage erheblich zum negativen Jahresergebnis des UKR bei.

„Aus diesem Grund ist eine Reduzierung des Personals dringend erforderlich“, schreibt das Ministerium. Dies werde „durch die Nichtverlängerung von auslaufenden befristeten Verträgen umgesetzt“.

Klinikum weist Vorwürfe zurück

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) wies die Vorwürfe des MB in einer eigenen Mitteilung ebenfalls entschieden zurück und kritisierte die „teilweise suggestiven Fragestellungen“. Einseitige Interpretationen der Befragungsergebnisse ersetzten keine objektiven Fakten.

„Wer derart schwerwiegende Vorwürfe erhebt, muss dafür auch belastbare Belege vorlegen können“, erklärte Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des UKR. Stattdessen würden aus subjektiven Einschätzungen von Beschäftigten weitreichende Schlussfolgerungen über die Sicherheit unserer Patientenversorgung gezogen.

Für Kölbl ist das „nicht nur sachlich unangemessen, sondern wird auch der hervorragenden Arbeit unserer Ärztinnen und Ärzte sowie unserer Pflegekräfte in keiner Weise gerecht“. Die Befragung von 317 ärztlichen Beschäftigten erfasse persönliche Wahrnehmungen und Einschätzungen. Konkrete Gefährdungssituationen und deren Ursachen seien im Rahmen der veröffentlichten Auswertung nicht unabhängig überprüft worden.

Besonders kritisch bewertet das UKR die öffentliche Zuspitzung der Befragungsergebnisse. Die Behauptung, am Klinikum werde mit der Patientensicherheit „Roulette“ gespielt, sei geeignet, Patienten erheblich zu verunsichern und das Vertrauen in die medizinische Versorgung zu beschädigen, hieß es.

Kölbl bestritt nicht die hohe Arbeitsbelastung. Das sei „jedoch kein Regensburger Sonderfall“. Die Veröffentlichung erfolge in einer Phase intensiver Diskussionen über die zukünftige Personalplanung am UKR. Zugleich stünden im kommenden Jahr Verhandlungen über die strukturelle Weiterentwicklung des Tarifvertrags für Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken an.

Unabhängig von den Beweggründen für die Veröffentlichung müssen aus Sicht des UKR gewerkschaftliche Forderungen und die sachliche Bewertung der Patientenversorgung klar voneinander getrennt werden. Die Interessen der Beschäftigten verdienten Gehör. Dabei dürften aber die Patienteninteressen nicht in den Hintergrund geraten.

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