Ausland

Spenderherz falsch gekühlt: Junge in Italien gestorben

  • Montag, 23. Februar 2026
/picture alliance, IPA via ZUMA Press, Felice De Martino
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Neapel – Das Drama um einen herzkranken kleinen Jungen in Italien hat das befürchtete Ende genommen. Der nicht einmal zweieinhalb Jahre alte Domenico starb „infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands“ auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Neapel, wie die Klinik mitteilte. Die Mutter Patrizia Mercolino forderte Aufklärung darüber, was bei der Behandlung falsch gemacht wurde.

Der Fall sorgt in Italien und darüber hinaus seit Wochen für Schlagzeilen. Der Junge war 2023 bereits mit einem Herzfehler zur Welt gekommen. Kurz vor Weihnachten wurde für ihn endlich ein Spenderherz gefunden. Beim Transport wurde das Ersatzorgan jedoch falsch gekühlt und dadurch schwer beschädigt.

Ein Ärzteteam entschied am vergangenen Mittwoch, dass eine neue Transplantation für Domenico zwecklos sei – auch, weil andere Organe wie die Nieren inzwischen nicht mehr richtig funktionierten.

Der Junge starb am Samstag gegen 9.20 Uhr im Monaldi-Krankenhaus von Neapel. Seine Mutter war bei ihm. Zuvor hatte sich sein Zustand rapide verschlechtert. Der Erzbischof von Neapel, Domenico Battaglia, spendete ihm noch die Krankensalbung („Letzte Ölung“). Der Leichnam wird nun obduziert. Die Ärzte versicherten der Familie „in diesem Moment unermesslichen Schmerzes Respekt und aufrichtige Anteilnahme“.

Ärzteteam erklärte nochmalige Operation für sinnlos

Domenico lag zuletzt fast zwei Monate im Krankenhaus, die meiste Zeit im Koma. Dort war er an eine ECMO-Maschine angeschlossen. Seither hoffte man, baldmöglichst ein weiteres Spenderherz zu finden – was aber nicht gelang. Schließlich kam das Ärzteteam zu der Einschätzung, dass eine nochmalige Operation keinen Sinn mehr habe. Daraufhin wurde sein Name von der Warteliste der Patienten genommen, die auf ein Spenderherz warten.

Wegen des schweren Herzfehlers war schon seit vielen Monaten klar, dass das Kind ein Ersatzorgan braucht. Im Dezember sah es so aus, als könne der Fall eine Wendung nehmen: In Südtirol war ein anderer Junge, vier Jahre alt, gleiche Blutgruppe, ertrunken. Das Spenderherz wurde beim Transport aus Bozen nach Neapel jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: etwa 80 Grad minus statt 4 Grad plus. Dadurch sei es „buchstäblich erfroren“, hieß es.

Weil die Ärzte dem Jungen jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingepflanzt. Am Leben hielt ihn die ECMO, was aber nur für eine begrenzte Zeit gelingen kann. Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten Berliner Herz – eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist – kann man deutlich länger überleben.

Inzwischen ermitteln verschiedene Staatsanwaltschaften gegen sechs Ärzte und Sanitäter. Die Kühlbox, die beim Transport verwendet wurde, ist beschlagnahmt. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um ein älteres Modell. Aus Justizkreisen verlautete, dass die Ermittlungen vermutlich noch auf weitere Verdächtige ausgeweitet würden. Die Klinik in Neapel hat zudem interne Prüfungen eingeleitet. Die beteiligten Ärzte übernehmen bis auf Weiteres keine Herztransplantationen mehr.

Für Empörung sorgte auch, dass die Eltern nach eigenen Angaben von der Klinik wochenlang im Unklaren gelassen worden waren, warum die Transplantation misslang. Die Mutter berichtete später, sie habe alles erst aus der Zeitung erfahren. Nach der Entscheidung des Ärzteteams, nicht noch einmal zu operieren, sagte sie: „Ich bin wirklich am Boden zerstört. Was meinem Kind passiert ist, darf sich nie wiederholen.“

Aktuell sind in Europa mehr als 13.000 Menschen dringend auf ein neues Organ angewiesen. Allein in Deutschland warteten nach Angaben der Stiftung Organtransplantation zum Jahresende mehr als 1.100 Menschen auf ein Spenderherz. Genaue Zahlen, wie viele Kinder darunter sind, liegen nicht vor.

dpa

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