Ärzteschaft

Teampraxen auf dem Vormarsch: Immer mehr Hausärzte setzen auf nicht ärztliche Kräfte

  • Dienstag, 13. Oktober 2026
/Akter, stock.adobe.com
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Berlin – Der Anteil an hausärztlichen Praxen, die qualifizierte Gesundheitsfachberufe in die Versorgung einbinden, hat sich zwischen 2015 und 2024 fast verdoppelt – auf mittlerweile mehr als ein Drittel aller Praxen. Das zeigt eine bundesweite Bestandsaufnahme des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Die Arbeitsgruppe des Instituts hat AOK-Abrechnungsdaten der Jahre 2015 bis 2024 für zwei in Deutschland etablierte berufliche Qualifizierungsmodelle erhoben, nämlich für „Nicht-ärztliche Praxisassistenzen“ (NäPA) und Versorgungsassistenzen in der Hausarztpraxis (VERAH).

„Beide Qualifikationen weisen ein ähnliches Tätigkeits- und Kompetenzprofil auf und übernehmen unter anderem Aufgaben in der Wundversorgung und Betreuung chronisch Kranker“, hieß es aus dem WidO. Die Anzahl hausärztlicher Praxen, die mindestens eine dieser Fachkräfte beschäftigten, stieg im Beobachtungszeitraum von rund 7.000 auf über 11.000 an – trotz einer insgesamt rückläufigen Anzahl an Praxen.

„Das entspricht einem Gesamtzuwachs von etwa 60 Prozent innerhalb von zehn Jahren“, sagt WIdO-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen. Allerdings beschäftigten 63 Prozent der Praxen bislang noch keine NäPA oder VERAH „hier gibt es noch erhebliches Ausbaupotenzial“, sagte er.

Der Analyse zufolge gibt es mehr NäPA und VERAH im ländlichen Raum: Hier beschäftigt fast jede zweite Hausarztpraxis eine dieser Berufsgruppen (47 Prozent), während es in städtischen Regionen 27 Prozent sind.

Praxen mit NäPA und VERAH versorgen anteilig etwas mehr chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen. Ansonsten unterscheiden sie sich im Patientenklientel nur geringfügig von Praxen ohne NäPA und VERAH.

Besonders deutlich wird der Beitrag zur Versorgung bei den Hausbesuchen: 84 Prozent der NäPA- und VERAH-Praxen boten Hausbesuche an, die von qualifizierten Gesundheitsfachberufen durchgeführt wurden. In Praxen ohne NäPA oder VERAH waren es 36 Prozent.

Bei den ärztlichen Hausbesuchen selbst ergab der Vergleich beider Praxistypen allerdings kaum einen Unterschied. „Das spricht dafür, dass NäPA und VERAH die Hausbesuchskapazität erweitern, ärztliche Hausbesuche aber nicht ersetzen“, so Scheller-Kreinsen.

Deutliche Unterschiede gibt es auch auf Ebene der Bundesländer: So verzeichnet Sachsen-Anhalt mit fast 60 Prozent den höchsten Anteil an NäPA-/VERAH-Praxen, gefolgt von Baden-Württemberg mit etwa 50 Prozent. Die niedrigsten Quoten weisen die beiden Stadtstaaten Berlin (14 Prozent) und Hamburg (27 Prozent) auf. 

„Die erhebliche regionale Varianz zeigt, dass die bestehenden Möglichkeiten zur arbeitsteiligen Versorgung bislang regional unterschiedlich genutzt werden und noch deutliche Entwicklungspotenziale bestehen“, sagte der WidO-Geschäftsführer.

„Diese Zahlen müssten Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann doch frischen Schwung und jede Menge Zuversicht für eines seiner zentralen Reform-Vorhaben geben“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann.

Noch vor dem Startschuss der Gesetzgebung zur angekündigten Einführung einer interprofessionellen Primärversorgung setzten immerhin ein Drittel aller Hausarztpraxen qualifiziertes, nicht ärztliches Personal in der Patientenversorgung ein.

hil/kna

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