Ärzteschaft

Interdisziplinarität plus Digitalisierung bewähren sich für Hausarztpraxen

  • Donnerstag, 14. Mai 2026
/picture alliance, Benjamin Nolte
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Mainz – Hausarztpraxen können durch neue interdisziplinäre Teamstrukturen und den verstärkten Einsatz digitaler Instrumente entlastet und für die Zukunft gut aufgestellt werden. Das zeigt eine Auswertung des Häppi-Konzepts („Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“) in sieben hausärztlichen Praxen im ländlichen Raum von Rheinland-Pfalz.

Fünf von sieben Praxen gaben an, am Ende der Pilotphase mehr Patienten behandelt zu haben. „Die Ergebnisse des Pilotprojekts in Rheinland-Pfalz zeigen: Delegation und Digitalisierung schaffen mehr Versorgung“, sagte der Gesundheitsminister des Landes, Clemens Hoch (SPD). Das sei eine gute Nachricht.

Gerade für Flächenländer sei wichtig, dass das Konzept auch in kleinen Praxen und im ländlichen Raum umsetzbar sei. „Nun versprechen wir uns von der Gesetzgebung auf Bundesebene eine verstärkte Steuerungsrolle der Hausärzte und einen klaren Rahmen für die Delegation ärztlicher Aufgaben, damit wir gute Ansätze wie Häppi in eine Regelstruktur außerhalb von Modellprojekten überführen können“, sagte Hoch. 

Häppi ist ein Versorgungskonzept des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV) auf Bundesebene, das bereits erfolgreich in Baden-Württemberg erprobt und in Rheinland-Pfalz weiterentwickelt wurde.

Es basiert auf der systematischen Einbindung akademisierter, neuer Gesundheitsfachberufe wie Primary Care Manager, Physician Assistants oder akademisierter Pflegekräfte in einer strukturierten Patientenversorgung, über die bereits bestehende Option der Integration von Medizinischen Fachangestellten mit Zusatzqualifikationen wie Verah oder Näpa hinaus. 

„Statt immer neue Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten zu schaffen, wird in einer Häppi-Praxis die Verantwortung unter dem Dach der Hausarztpraxis gebündelt“, erläuterte Barbara Römer, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz.

Zudem sehe Häppi Kooperationen mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen vor. „Dabei orchestriert die Hausärztin oder der Hausarzt das Zusammenspiel aller Beteiligten durch fest definierte Delegation und modernste Digitalisierung“, so Römer.  

In Rheinland-Pfalz erhielten die Praxisteams ein gezieltes Coaching bei den Umstellungen auf die neue Zusammenarbeit. Ein Schwerpunkt lag zudem auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Telefonassistenz, um die Praxen zu entlasten und die Erreichbarkeit zu verbessern. Zum Einsatz kamen zudem Videosprechstunden, eine Onlineterminierung und Messengerdienste. 

Eine Arbeitsgruppe der Universitäten Mainz und Heidelberg evaluierte das Pilotprojekt. Das Land Rheinland-Pfalz und die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland haben es mit zusammen rund 280.000 Euro gefördert.

„Das Modell führte zum Rückgang von Doppelstrukturen. Delegation an Fachkräfte bedeutete Entlastung und Arbeitsteilung im Praxisalltag und insbesondere die digitalen Unterstützungsmöglichkeiten schafften neue Freiräume“, sagte Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland.

Für die Menschen in den rheinland-pfälzischen Regionen sei durch das innovative Betreuungskonzept im multiprofessionellen Team durch Häppi „ein passgenauer Zugang zu Gesundheitsleistungen qualitätsgesichert erlebbarer geworden“, zog sie ein Fazit.

hil

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