Medizin

Therapeutische Hypothermie nach Reanimation von Kindern ohne Vorteile

  • Dienstag, 28. April 2015
Uploaded: 28.04.2015 17:54:17 by mis
dpa

Ann Arbor – Die gezielte Abkühlung des Körpers, die bei Neugeborenen nach perinataler Asphyxie Spätschäden des Gehirns vermindert, scheint bei Kindern, die nach Unfällen wiederbelebt wurden, keine Vorteile zu haben. Dies geht aus einer Studie hervor, die im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1411480) publiziert wurde.

Die Absenkung der Körpertemperatur verlangsamt den Stoffwechsel in den Zellen und bewahrt sie möglicherweise vor den Folgeschäden einer Ischämie. In der Behandlung der perinatalen Asphyxie gilt die therapeutische Hypothermie als evidenzbasiert. Auch bei Erwachsenen mit Herzstillstand wird das gezielte Temperaturmanagement häufig empfohlen, obwohl eine jüngst publizierte Studie Zweifel an der Wirksamkeit geweckt hat.

In der schwedischen TTM-Studie war im Gegensatz zu früheren Studien darauf geachtet worden, dass die Patienten in der Kontrollgruppe kein Fieber hatten (NEJM 2013; 369: 2197-206). Auch in der jetzt veröffentlichten „Therapeutic Hypothermia after Pediatric Cardiac Arrest Out-of-Hospital“-Studie (THAPCA-OH) wurde in der Kontrollgruppe ein Temperaturmanagement betrieben.

Frank Moler von der University of Michigan in Ann Arbor und Mitarbeiter an 38 Kliniken in Nordamerika achteten darauf, dass die Kerntemperatur bei den 140 Kindern der Kontrollgruppe über die Behandlungszeit von 120 Stunden bei 36,8 Grad Celsius lag (Bereich 36,0 bis 37,5). Bei den 155 Kindern im Interventionsarm wurde die Kerntem­peratur zunächst für 48 Stunden auf 33,0 Grad Celsius gesenkt und danach langsam auf 36,8 Grad Celsius angehoben, um sie bis zum Abschluss der Behandlung nach 120 Stunden auf diesem Niveau zu halten.

Alle Kinder waren außerhalb der Klinik mit einem Herzstillstand bewusstlos aufgefunden worden. Es handelt sich überwiegend um Kleinkinder unter 2 Jahren, bei denen die Unterbrechung der Atmung (Strangulation, Ertrinken) oder ein Trauma den Herzstillstand ausgelöst hatten. Alle hatten innerhalb von sechs Stunden die Klinik erreicht, wo sofort mit dem Temperaturmanagement begonnen wurde. Die Kinder wurden während der Behandlung muskelrelaxiert und sediert. Primärer Endpunkt war die Überlebensrate nach 12 Monaten in gutem neuropsychiatrischen Zustand (70 oder mehr Punkte auf der Vineland Adaptive Behavior Skala II, die von 2 bis 160 reicht, wobei höhere Werte eine bessere Funktion anzeigen).

Die Hypothese, dass die therapeutische Hypothermie die Prognose der Kinder verbessert, konnte nicht belegt werden. Zwar erreichten mit 20 Prozent gegenüber 12 Prozent mehr Kinder den primären Endpunkt, doch der Unterschied von 7,3 Prozentpunkten verfehlte mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 1,5 bis plus 16,1 Prozentpunkten das Signifikanzniveau.

Dies war auch in zahlreichen sekundären Endpunkten der Fall, einschließlich der 1-Jahres-Überlebensrate, die durch die therapeutische Hypothermie von 29 Prozent auf 38 Prozent gesteigert wurde. Aber auch hier war die Differenz von 9,1 Prozentpunkten mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall mit minus 1,8 bis plus 19,9 Prozentpunkten weit gestreut. Damit ist nicht auszuschließen, dass die therapeutische Hypothermie einen Nutzen hat, doch belegen kann dies die Studie nicht. Mit-Autor Charles Schleien vom Cohen Children's Medical Center aus Land Island glaubt, dass die Vermeidung von Fieber möglicherweise der entscheidende Faktor zur Verbesserung der Prognose ist.

Wenn etwa zwei Drittel der Kinder nach einem Jahr nicht mehr am Leben sind, kann das Behandlungsergebnis ingesamt nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden. Weitere Erkenntnisse werden von der Parallelstudie THAPCA-IH (in-hospital) erwartet, an der 500 Kinder teilnahmen, die innerhalb der Klinik einen Herzstillstand erlitten. Die Studiener­gebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen.

rme

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