TK-Chef Baas schlägt radikale Reform der Krankenversicherung vor

Hamburg – Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, spricht sich für einen Umbau des dualen Systems in der Krankenversicherung aus. „Wir sollten die private Krankenversicherung abschaffen, die gesetzliche aber auch“, sagte er dem Spiegel. Die TK ist mit mehr als zwölf Millionen Versicherten die größte Kasse in Deutschland.
Baas schlägt ein System vor, in dem das Beste aus beiden Welten genutzt werde. „Aus der GKV ist das etwa der Verzicht auf eine Risikoselektion“ – also auf eine gezielte Auswahl von Versicherten, um kostenintensive Personen zu meiden.
Auch die Möglichkeit, jederzeit die Kasse wechseln zu können, müsse übernommen werden. Dies ist in der privaten Krankenversicherung derzeit kaum möglich. Zudem dürften keine Gewinne aus der Krankenversicherung abgeschöpft werden, so Baas. Generell müsse es bestimmte Standards geben, welche Leistungen von der Kasse abzudecken seien.
Als einen wichtigen Vorteil aus der PKV sieht Baas die Staatsferne. „An die Altersrückstellungen der Privaten kommt der Staat nicht ran“, betonte er. Dass der Staat Rücklagen nicht angreifen könne, müsste man in einem neuen System übernehmen.
Ein weiterer Pluspunkt seien vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten. „Eine PKV kann Verträge mit Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten in der Theorie viel freier gestalten als wir“, gab der TK-Chef zu bedenken. „Sie schaffen das aber meist nicht, weil sie zu klein sind. In einem gemeinsamen System könnten wir das umsetzen.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im September eine Debatte über das bestehende duale System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung angestoßen. Er sprach von einem Gerechtigkeitsproblem, wenn sich der Eindruck verfestige, dass Privatpatienten bevorzugt behandelt würden – und stellte Änderungen in Aussicht.
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