Ärzteschaft

Umfrage zeigt gravierende Defizite beim Arbeitsschutz in den Kliniken

  • Dienstag, 10. Februar 2026
/sudok1, stock.adobe.com
/sudok1, stock.adobe.com

Wiesbaden – Ein „gesundheitsgefährdendes Ausmaß“ haben die Arbeitsbedingungen für Internistinnen und Internisten im Krankenhaus laut einer Umfrage des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI) erreicht.

Die Rückmeldungen von 488 stationär tätigen Ärztinnen und Ärzten zeigten eine Kombination aus hoher Arbeitsverdichtung, arbeitsrechtlich problematischen Strukturen und erheblichen gesundheitlichen Folgen für die Beschäftigten. Dies habe direkte Folgen für die Patientensicherheit und die Funktionsfähigkeit der Kliniken, hieß es aus dem Verband.

Rund 20 Prozent der Befragten geben in der Umfrage an, häufig oder regelmäßig nach Nachtdiensten ohne die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit weiterzuarbeiten. Gleichzeitig berichten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden, dass ihre Überstunden nicht korrekt erfasst oder nicht ausgeglichen werden.

82 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Arbeitszeit ihre Gesundheit stark oder zumindest teilweise beeinträchtigt. 67 Prozent fühlen sich häufig oder sehr häufig emotional erschöpft und 42 Prozent berichten über ein häufiges oder sehr häufiges Burnout-Gefühl. 71 Prozent der Befragten betreuen mehr als 20 Patientinnen und Patienten pro Schicht, 16 Prozent sogar mehr als 30.

Hinzu kommt laut der Umfrage: 72 Prozent der stationär tätigen Internistinnen und Internisten verbringen mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation und administrativen Aufgaben, während gleichzeitig ärztliche und pflegerische Personalressourcen vielfach als unzureichend bewertet werden.

„Was hier sichtbar wird, ist keine individuelle Überforderung, sondern ein struktureller Missstand“, erklärte die BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck. Gesetzlich garantierte Ruhezeiten und eine vollständige Erfassung von Arbeitszeit seien keine freiwilligen Leistungen, sondern Mindeststandards des Arbeitsschutzes. „Wer sie ignoriert, gefährdet nicht nur die Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten“, warnte sie.

Der BDI fordert die Klinikträger daher auf, sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen in den Kliniken zu schaffen. Dazu gehöre insbesondere die Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeiten, eine vollständige, unkomplizierte und transparente Arbeitszeiterfassung sowie ein verbindlicher Ausgleich von Überstunden. „Gesunde Ärztinnen und Ärzte sind keine Luxusforderung, sondern die Voraussetzung für eine verlässliche Patientenversorgung“, so Neumann-Grutzeck.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung