Umfrage zu Sozialreform: 81 Prozent in Sorge um Absicherung

Düsseldorf – Ein Großteil der Bevölkerung hat wegen der angekündigten Sozialreform der Bundesregierung offenbar Zukunftsängste. Rund 81 Prozent der Bundesbürger befürchteten deswegen negative Auswirkungen auf ihre finanzielle Absicherung, wie aus einer Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht.
Am größten sei die Sorge bei der jungen Generation bis 30 Jahre sowie bei den ärmeren Haushalten mit unter 2.000 Euro monatlichem Verdienst: Hier bangten jeweils über 90 Prozent um ihre Absicherung. Generell dominierten aber in allen Sozial-, Berufs- und Altersklassen die Sorgen über die Reform.
Diese drückten sich auch in konkreten Änderungen im Konsumverhalten aus. So gaben 42 Prozent der Befragten an, sich aufgrund der Reformdebatte bereits mit ihren Ausgaben zurückzuhalten. Laut Studienautoren deutet das darauf hin, dass viele Menschen ihre künftige finanzielle Absicherung eng mit der Ausgestaltung des Sozialstaats verknüpfen.
„Hält die Unsicherheit über einen möglichen Abbau des Sozialstaats an, könnte dies Haushalte dazu veranlassen, ihre Ausgaben auch künftig vorsichtiger zu planen, um privat vorzusorgen“, erklären die Forscher und warnen: „Wenn sich die Konsumzurückhaltung in weiten Teilen der Bevölkerung verfestigt, könnte dies die private Nachfrage auch in den kommenden Monaten dämpfen und damit die konjunkturelle Erholung schwächen.“
Entsprechend der großen Sorgen sei auch die Ablehnung des Reformpakets groß. Unter allen Befragten lehnen demnach 76 Prozent die Reformen eher oder sogar stark ab. Besonders ausgeprägt sei die Ablehnung von Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Kranken- und der Pflegeversicherung mit rund 83 beziehungsweise 85 Prozent aller Befragten.
Eine Streichung der Entgeltfortzahlung am ersten Krankheitstag wird von rund 76 Prozent abgelehnt, eine Erhöhung des Renteneintrittsalters von rund 73 Prozent. Die diskutierten Einschnitte würden dabei von Menschen über praktisch alle Parteigrenzen hinweg mehrheitlich abgelehnt.
Auch das Vertrauen in die Bundesregierung leidet dadurch. So hätten 57 Prozent der Menschen mit großen Sorgen überhaupt kein Vertrauen mehr in die aktuelle Regierung, bei denen ohne Sorgen seien es auch noch 16 Prozent.
„Insgesamt zeigen die Umfrageergebnisse, dass die aktuelle Debatte über Reformen des Sozialstaats an sich zu einem Wachstumsrisiko für die deutsche Wirtschaft und zugleich zu einem politischen Risiko für die Bundesregierung geworden ist“, resümieren die Autoren.
Für die Untersuchung befragte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Böckler-Stiftung den Angaben zufolge im Juni und Juli 2026 rund 4.000 Bundesbürger zwischen 18 und 75 Jahren online. Die Umfrage sei repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.
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