Unzufriedenheit mit Praxissoftware weiterhin groß

Berlin – Viele Arzt- und Psychotherapiepraxen sind mit ihrem Praxisverwaltungssystem (PVS) unzufrieden – jede dritte Praxis möchte das System daher wechseln. Das berichtet das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach einer bundesweiten Umfrage.
Von 95.036 eingeladenen Praxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gingen Rückmeldungen von 3.191 in die Erhebung ein (3,4 Prozent).
Danach erwägt weit mehr als die Hälfte der Praxen und MVZ einen Wechsel aufgrund mangelnder Nutzerfreundlichkeit sowie zu hoch empfundener Lizenzgebühren. Unzureichender Kundensupport (52 Prozent) sowie versteckte Preissteigerungen und zu hohe Wartungskosten (jeweils 46 Prozent) sind weitere zentrale Motive für eine erhöhte Bereitschaft, das derzeitige PVS wechseln zu wollen.
Unzufrieden sind die Praxen auch mit der Fehleranfälligkeit der Systeme: So berichten 82 Prozent der Praxen von regelmäßigen Problemen beim Auslesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK).
Auch beim Verbindungsaufbau des Konnektors mit der Telematikinfrastruktur (TI) treten bei mehr als 81 Prozent der Praxen häufig Fehler auf. Ebenso passieren bei anderen TI-Anwendungen oft Fehler, insbesondere bei der Erstellung des elektronischen Rezepts. Mehr als 71 Prozent klagen beim E-Rezept über regelmäßig auftretende Schwierigkeiten.
„Ohne Praxissoftware ist die ambulante medizinische Versorgung heute schlichtweg nicht mehr vorstellbar. Fällt die Software aus und gibt es Probleme, den Support zu erreichen, steht die Praxis still, die medizinische Versorgung kommt weitgehend zum Erliegen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.
Nach der Installationsstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) waren im vierten Quartal 2025 131 unterschiedliche Softwaresysteme in der Anwendung. 32 PVS mit einem Marktanteil von 77,4 Prozent konnte das Zi in die Auswertung einbeziehen.
Insgesamt würden die Nutzer 18 der 32 meistgenutzten Systeme nicht weiterempfehlen. Fünf Systeme wurden bei der Benutzerfreundlichkeit hingegen als „exzellent“ eingestuft.
„Wer für seine Praxis eine leistungsfähige Software sucht oder IT-Prozesse in der Praxis optimieren möchte, kann unser fortlaufendes Monitoring als wichtige Entscheidungshilfe zu Rate ziehen“, empfiehlt von Stillfried. Er kritisierte, dass Praxen und MVZ bei einem Wechsel des PVS die damit verbundenen Kosten alleine tragen müssen.
„Da funktions- und leistungsfähige Softwaresysteme heute Voraussetzung für eine verlässliche ambulante Versorgung sind, darf der Umstieg auf eine qualitativ hochwertigere Praxissoftware kein Risiko sein, sondern sollte gezielt gefördert werden. In der Krankenhausdigitalisierung jedenfalls besteht ein solcher Fördertopf, warum also nicht auch für die Praxen?“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende.
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