Ausland

US-Richter stoppt vorerst Impf-Kurswechsel unter Trump

  • Dienstag, 17. März 2026
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Junior. /picture alliance, Francis Chung, CNP/AdMedia
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Junior. /picture alliance, Francis Chung, CNP/AdMedia

Washington – Ein US-Richter hat den Kurswechsel in der Impfpolitik unter Präsident Donald Trump vorerst gestoppt. Bundesrichter Brian Murphy urteilte gestern, die von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. herbeigeführten Änderungen seien „willkürlich“ und verstießen gegen wissenschaftliche Methoden und eingespielte Verfahren.

Er gab damit Klagen von Ärzteverbänden statt. Das US-Gesundheitsministerium erwartet nach Angaben eines Sprechers, dass die Entscheidung in der nächsten Instanz wieder aufgehoben wird. 

Nach einem Bericht der New York Times setzt das Urteil zumindest vorläufig die Ernennung und die Entscheidungen des Impfgremiums ACIP (Advisory Committee for Immunization Practices) seit der Neubesetzung durch Kennedy im Vorjahr aus. Auch ein für diese Woche geplantes Treffen der Gruppe werde durch die Entscheidung verhindert.

Konkret beanstandete der Richter den reduzierten Impfplan für Kinder sowie die eingeschränkten Empfehlungen für Coronaimmunisierungen. Die Trump-Regierung habe das traditionelle Verfahren für Impfempfehlungen „missachtet und damit die Redlichkeit ihres Handelns untergraben“, erklärte
Richter Murphy.

Laut New York Times kritisierte er auch mangelnde Erfahrung mit Impfthemen in dem Gremium. Murphy war noch von Trumps Vorgänger Joe Biden ernannt worden.

Der US-Verband der Kinderärzte begrüßte die Entscheidung als „historisch“. Die Änderungen durch den von Kennedy neu berufenen Impfausschuss hätten „Chaos und Verwirrung für Eltern und Kinderärzte im ganzen Land gestiftet“, erklärte der Verband. Der teils mit Impfskeptikern besetzte Ausschuss hatte unter anderem empfohlen, Immunisierungen gegen Rotaviren, Influenza und Hepatitis B aus dem Impfplan für Kinder zu streichen.

Kennedy gilt selbst als Impfskeptiker und hatte den Ausschuss mit der Überprüfung der mehr als 30 Jahre alten Regeln beauftragt. Den ehemaligen Mitgliedern hatte er Interessenkonflikte mit der Pharmaindustrie vorgeworfen.

Zu den Klägern zählten unter anderem die American Academy of Pediatrics, die American Public Health Association, das American College of Physicians und Infectious Diseases Society of America.

Fachleute in den USA warnen vor einer Rückkehr impfpräventabler Krankheiten, die als weitgehend ausgerottet galten. Seit vergangenem Jahr werden in den USA wieder große Masernausbrüche verzeichnet. Allein in diesem Jahr sind bereits knapp 1.400 Fälle bestätigt worden; 2025 waren es fast 2.300 und drei Todesfälle.

afp/ggr

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