Verordnungsrate von Antibiotika in Arztpraxen nimmt ab

Berlin – In Deutschland werden immer weniger Antibiotika in Arztpraxen verordnet. Das zeigen neue Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zu „Altersspezifische Trends der Verordnung systemischer Antibiotika in den Jahren 2010 bis 2024“, die heute im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht worden sind.
Demnach ist die altersübergreifende Verordnungsrate seit dem Jahr 2010 kontinuierlich gesunken – von 559 (2010) auf 414 Verordnungen pro 1.000 gesetzlich Versicherten im Jahr 2019. Das entspricht einem Rückgang von 26 Prozent.
In den beiden Coronajahren 2020 und 2021 brachen die Verordnungszahlen nach Angaben des Zi dann überdurchschnittlich stark ein (2020: 305/1.000, -26 Prozent zu 2019) und 2021 (277/1.000, -33 Prozent zu 2019). In den Jahren 2023 (418/1.000) und 2024 (426/1.000) zeigen die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten einen Wiederanstieg der altersübergreifenden Verordnungsrate auf ein mit 2019 vergleichbares Niveau.
Der Großteil der Vertragsärzte in Deutschland setze Antibiotika überaus zurückhaltend und nach entsprechender sorgfältiger Risikoabwägung ein, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Positiv hervorzuheben sei auch die stark rückläufige Verordnungsrate von Fluorchinolonen, nicht zuletzt aufgrund von Warnungen vor schwerwiegenden gesundheitlichen Nebenwirkungen.
Der Zi-Vorstandsvorsitzende verwies darauf, dass Deutschland mit dem starken Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in den Jahren 2020 und 2021, aber auch mit dem Wiederanstieg in den Folgejahren nach der COVID-19-Pandemie dem europäischen Trend folge.
Dabei zeige der internationale Vergleich auch im Wiederanstieg einen eher geringen Antibiotikaeinsatz in Deutschland. So wurden nach Angaben des EU-Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) etwa im Jahr 2023 in 23 europäischen Ländern höhere und lediglich in vier Ländern geringere Verordnungsmengen von Antibiotika in der ambulanten Versorgung beobachtet.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit:
6