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Viele langzeitbeatmete Patienten können laut Modellprojekt entwöhnt werden

  • Donnerstag, 16. Juli 2026
/sudok1, stock.adobe.com
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Düsseldorf – Langzeitbeatmete Patientinnen und Patienten können von einem spezifischen Versorgungsangebot namens „Lebensluft“ profitieren. Darauf weist die AOK Rheinland/Hamburg hin. 

Laut der Auswertung des von der AOK Rheinland/Hamburg und dem Helios Klinikum Krefeld entwickelten Versorgungsangebots konnten fast 60 Prozent der Teilnehmenden innerhalb eines Jahres von der Beatmung entwöhnt werden, 46 Prozent konnten dauerhaft ohne Beatmung leben. 

„Lebensluft“ richtet sich an Menschen, die nach einer schweren Erkrankung auf künstliche Beatmung angewiesen sind, bei denen jedoch Potenzial für eine Beatmungsentwöhnung besteht. Das interdisziplinäre Versorgungskonzept verbindet medizinische, pflegerische und therapeutische Leistungen in einem speziell auf diese Patientengruppe zugeschnittenen Umfeld. Ziel ist es, die Betroffenen schrittweise von der Beatmung zu entwöhnen, ihre Selbstständigkeit zu stärken und ihnen eine Rückkehr in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die wissenschaftliche Evaluation untersuchte die Ergebnisse von 385 Patientinnen und Patienten, die zwischen 2016 und 2024 an den „Lebensluft“-Standorten Krefeld und Wuppertal behandelt wurden. 

Danach konnten 59,6 Prozent der Patientinnen und Patienten innerhalb eines Jahres erfolgreich von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden. In der Vergleichsgruppe waren es 24,6 Prozent. Dauerhaft ohne Beatmung leben konnten 46,2 Prozent der Teilnehmenden – gegenüber 4,2 Prozent in der Kontrollgruppe.

„Menschen, die dauerhaft künstlich beatmet werden, leben mit erheblichen Einschränkungen. Jede erfolgreiche Entwöhnung bedeutet deshalb weit mehr als das Ende einer Beatmung, sie eröffnet die Chance auf ein Stück Normalität, Selbstbestimmung und Teilhabe“, erläutert Mathias Lehmann, Chefarzt der Pneumologie des Lungenzentrums am Helios Klinikum Krefeld.

„Solche Erfolge entstehen durch das Zusammenspiel eines interdisziplinären Teams, das die Betroffenen individuell begleitet, verbunden mit langjähriger Erfahrung, Zeit, Beharrlichkeit und gegenseitigem Vertrauen“, betont der Experte. 

Neben den medizinischen Erfolgen weist die Evaluation auch auf erhebliche Vorteile für das Gesundheitssystem hin. Teilnehmende von „Lebensluft“ benötigten im Nachbeobachtungszeitraum weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Arztkontakte und deutlich weniger Beatmungsstunden. Die durchschnittlichen Folgekosten lagen bei den „Lebensluft“-Patientinnen und -Patienten um rund 175.000 Euro niedriger als in der Vergleichsgruppe. 

„Aus wissenschaftlicher Sicht liefert die Evaluation deutliche Hinweise darauf, dass die Ziele von ‚Lebensluft‘ erreicht wurden: Es ist ein Versorgungskonzept mit messbarem Potenzial für Patientinnen und Patienten, für Leistungserbringer und Kostenträger“, sagte der Leiter der Projektevaluation, Wolfgang Greiner, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement an der Universität Bielefeld.  

hil

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