Ärzteschaft

Volkskrankheit Fettleber: Fachgesellschaften legen Strategiepapier vor

  • Dienstag, 20. Oktober 2026
/Rasi, stock.adobe.com
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Berlin – Ein stärkeres Engagement gegen die Volkskrankheit „Fettleber“ mahnen Fachgesellschaften und Organisationen aus Gastroenterologie, Diabetologie und Kardiologie unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) an.

„Eine Fettlebererkrankung verursacht meist über Jahre keine Beschwerden und bleibt daher lange unentdeckt“, erklärt der DGVS-Präsident Heiner Wedemeyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. Die Folgen könnten jedoch gravierend sein: Sie reichten von chronischen Entzündungen über Leberzirrhose bis hin zu Leberkrebs und Leberversagen.

Laut den Fachgesellschaften lebt mehr als jeder vierte Mensch in Deutschland mit einer Fettleber, vor allem als Folge von Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung.

„Wer die Fettleberprävention stärkt, tut zugleich etwas gegen viele andere große Volkskrankheiten unserer Zeit wie Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, betonte Elke Roeb, Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Leberstiftung.

Die Gesellschaften schlagen in einem Strategiepapier Maßnahmen in vier Bereichen vor: allgemeine Prävention, Früherkennung, Versorgung und Forschung.

Bei der allgemeinen Prävention fordern sie eine verbindliche Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln, ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für ungesunde Lebensmittel, eine Zuckersteuer und eine Beschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol. Wichtig seien außerdem mehr Bewegungs- und Sportangebote in Kindertagesstätten, Schulen und der Arbeitswelt.

Für die Früherkennung sollte der FIB-4-Score bundesweit als standardisiertes Instrument zur Risikostratifizierung etabliert werden. In den Index gehen Alter, Aspartat-Aminotransferase, Alanin-Aminotransferase und Thrombozytenzahl ein.

Der Score ist dem Papier zufolge ein einfaches, wissenschaftlich validiertes und kostengünstiges Instrument für die Primärversorgung. Ergänzend sollten Beratungsangebote ausgebaut und eine strukturierte Leberdiagnostik in die Gesundheitsuntersuchungsrichtlinie aufgenommen werden.

Bei auffälligem FIB-4 sollten die Betroffenen schneller Zugang zu modernen Diagnoseverfahren wie der ultraschallbasierten Leberelastographie erhalten, die Auskunft über mögliche Leberschäden gibt. Zudem sollten Leberdiagnostik und leitliniengerechte Therapien fest in die Disease-Management-Programme für Adipositas und Typ-2-Diabetes integriert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Forschung. Gefordert werden Förderkonzepte, die bestehende Forschungsstrukturen vernetzen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken. Klinische Studien sollten risikoadaptierte Früherkennungs- und Versorgungskonzepte untersuchen. Gesundheitsökonomische Analysen und die Evaluation strukturierter Programme sollten deren Nutzen für Patienten sowie für das Gesundheitssystem belegen.

Das Strategiepapier hat die DGVS gemeinsam mit der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), dem Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng), der Deutschen Leberstiftung und der Deutschen Leberhilfe erarbeitet.

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