Politik

Warken: Elektronische Patientenakte als „Alltags-App“ in der Versorgung

  • Dienstag, 21. April 2026
Nina Warken DMEA
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bei der Digitalmesse DMEA /DMEA

Berlin – Die elektronische Patientenakte (ePA) soll schon in naher Zukunft für die gesetzlich Versicherten zum zentralen Element beim Einstieg in die Versorgung und die Organisation des Behandlungsverlaufs werden. Das erklärte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) heute bei der Digitalmesse DMEA in Berlin.

Von der Vereinbarung von Arztterminen bis zu Präventionsangeboten der Krankenkassen sollen Versicherte künftig einen großen Teil ihrer Gesundheitsversorgung selbst über ihre ePA-Apps verwalten können.

So solle die ePA im geplanten Primärversorgungssystem neben dem Terminservice 116117 „perspektivisch zu einer Anlaufstelle für die ambulante Gesundheitsversorgung ausgebaut werden“, sagte Warken. Von der standardisierten digitalen Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs bis zur elektronischen Überweisung solle die ePA-App Patientinnen und Patienten künftig mit gut integrierten und leicht zu bedienenden Anwendungen begleiten, die einen fühlbaren Mehrwert bieten.

Auch die Kassen sollen demnach mehr nützliche Anwendungen für die ePA entwickeln und bereitstellen können. „Das fördert Innovation und Wettbewerb, was ganz im Sinne der Versicherten ist“, so die Ministerin.

Gerade das Thema Prävention biete sich hier an, im Referentenentwurf des Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GEDIG) sei deshalb vorgesehen, dass die Kassen künftig mit Zustimmung ihrer Versicherten mehr Daten – auch und vor allem aus der ePA – auswerten können als bisher. Prävention solle laut Warken künftig digitaler ermöglicht werden, beispielsweise durch personalisierte Übersichten und Erinnerungen.

Ziel sei, die ePA zum „persönlichen Gesundheitsdatenraum“ weiterzuentwickeln, hatte zuvor auch Lena Dimde, Product Ownerin ePA bei der Gematik, betont. Dazu sei es wichtig, von einer dokumentenbasierten zu einer datenbasierten Patientenakte zu kommen und die unterschiedlichen Erwartungen der Versicherten zu managen. So werde die beispielsweise die Terminvereinbarung nicht über das Aktensystem laufen.

Ein weiterer Meilenstein werde die Einführung des digitalen Medikationsplans (dMP) werden, die für dieses Jahr angedacht ist. Dies soll das erste Tool sein, in dem alle Institutionen gemeinsam arbeiten. Das werde in der Versorgung viele praktische Fragen aufwerfen. „Meine Hoffnung ist, dass dadurch die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Sektoren verbessert wird“, erklärte sie.

Nutzung vereinfachen

Damit die ePA ihrer angedachten Rolle gerecht werden kann, betonte Warken weiter, müsse jedoch die Nutzung vereinfacht werden. „Grundsätzlich muss unser gemeinsames Ziel sein, mehr Versicherte von der aktiven Nutzung der zu überzeugen. Da ist noch Luft nach oben.“

Das liege vor allem am Anmeldeverfahren, das viele Versicherte als zu aufwendig und kompliziert wahrnehmen würden. Das könne sie nachvollziehen. „Wie überall im Leben entscheidet eben auch der erste Eindruck, und wer beim ersten Kontakt mit der ePA ausgebremst wird und aufgibt, den gewinnen wir dann auch nur schwer zurück. Das gilt es zu verhindern.“

Deshalb sei die Möglichkeit geschaffen worden, das Anmeldeverfahren zu vereinfachen. Die Krankenkassen hätten bereits begonnen, ein aktualisiertes Video-Ident-Verfahren anzubieten. Eine weitere Vereinfachung werde ab Anfang 2027 die Nutzung der digitalen Brieftasche EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) bringen.

Aufseiten der Leistungserbringer wiederum werde vor allem die lange geforderte Volltextsuche eine Erleichterung bringen. Sie solle bis Ende des Jahres verfügbar sein.

Ebenfalls ab Ende des Jahres sollen die ePA-Daten zudem an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) übermittelt und damit für die Wissenschaft verfügbar werden – „echte medizinische Daten, die die bisherigen Abrechnungsdaten um eine völlig neue Tiefe ergänzen und so die Grundlage für wertvolle Forschungserkenntnisse liefern“, unterstrich Warken.

Das FDZ beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), mittlerweile seit einem halben Jahr in Betrieb, habe bereits über 100 registrierte Nutzer, von denen die Hälfte aus dem akademischen Bereich stammt, hatte zuvor BfArM-Präsident Karl Broich erklärt. Die ersten Anträge seien bereits bewilligt worden. „Ich glaube, der Start ist uns gut gelungen, auch wenn natürlich nicht alles perfekt ist“, sagte er.

Unter anderem mit Pilotprojekten zu digitalen Zwillingen arbeite das BfArM zudem daran, künftig KI-getriebene Datenauswertungen im FDZ zu ermöglichen. „Wir sind dabei, das FDZ KI-fertig zu machen.“

Warken hatte zudem erklärt, Innovationen künftig auch durch Reallabore für Künstliche Intelligenz (KI) stärker zu fördern. In ihnen solle regulatorische Hilfestellung für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen angeboten werden. „So schaffen wir Rechtssicherheit und Innovation made in Germany.“

Damit all das gelingen kann, müsse jedoch ein störungsfreier und sicherer Betrieb der zugrundeliegenden Telematikinfrastruktur (TI) gewährleistet werden. „Denn auch der größte Digitalisierungsfan ist im Praxisalltag frustriert, wenn die Verbindung wieder und wieder abbricht. Das bekommen wir sehr deutlich so gespiegelt“, betonte Warken. „Was nützt dem Arzt oder der Ärztin eine ePA mit relevanten Befundberichten, wenn die Daten bei der Behandlung nicht abgerufen werden können?“

Deshalb sollen der Gematik künftig mehr Instrumente an die Hand gegeben werden, um auf die Anbieter und Betreiber einwirken zu können, und die Komplexität der TI verringert werden.

lau

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