Warum Kinder bei Patientenaufklärungen helfen könnten

Coventry – Beim Entwurf von Aufklärungsbögen für Patienten könnte eine leichte Sprache, wie Kinder sie benutzen, sehr hilfreich sein. Darüber berichten Forscher um Catrin Wigley am University Hospital Coventry in der Weihnachtsedition des British Medical Journal (2017; doi: 10.1136/bmj.j5565).
Patienten werden für Interventionen in der Regel von Ärzten aufgeklärt. Aus Gewohnheit kann jedoch die in der Klinik übliche Sprache für Patienten unverständlich sein. Besonders, wenn Patienten nervös, unaufmerksam oder kognitiv eingeschränkt sind, ist eine einfache und klar strukturierte Sprache wichtig. Die meisten Aufklärungen werden durch einen schriftlichen Bogen ergänzt, in dem der Eingriff erklärt wird. Gerade bei chirurgischen Eingriffen sind diese Aufklärungsbögen inhaltlich komplex. Es ist ein hohes Leseverständnis vonnöten, über das nicht jeder Patient verfügt.
Simple Measure of Gobbledygook
Die Autoren überprüften bei sechs verschiedenen Patientenaufklärungen über die Implantation einer Hüftkopfprothese, die vom National Health System (NHS) herausgegeben wurden, welches durchschnittliche Lesealter nötig war, um die Aufklärung zu verstehen. Sie nutzten den sogenannten Simple Measure of Gobbledygook (SMOG). Es stellte sich heraus, dass ein durchschnittliches Lesealter von 17 Jahren für die Broschüren notwendig war. Dies war nach Ansicht der Autoren für einen Aufklärungsbogen zu hoch.
Die Forscher erklärten in einem zweiten Schritt 57 acht- bis zehnjährigen Kindern in einer Lehrstunde, wie die Implantation einer Hüftprothese abläuft, welche Indikation und Komplikationen es gibt und was Patienten beachten müssen. Etwa ab dem neunten Lebensjahr sind in Großbritannien die meisten Kinder in der Lage, flüssig zu lesen und Texte zu verstehen. Anschließend sollten die Kinder ihre eigenen Aufklärungsbögen schreiben und erklärende Bilder malen.
Die Autoren berichten, dass die Kinder eine sehr direkte aber verständliche Art hatten, die Informationen zu vermitteln. Um beispielsweise zu erklären, dass das Hüftgelenk degenerativ verändert ist, schrieben die Kinder die Hüfte sei „alt und verrottet“ oder das Gelenk habe sein „Haltbarkeitsdatum überschritten“. Um über die Komplikationen aufzuklären, schrieben die Kinder einfach, es könne zu „Blutgerinnseln, Hüft- und Lungeninfektionen“ kommen. Während Ärzte bei einer Aufklärung möglicherweise sagen, es könnten neurovaskuläre Schäden auftreten, erklärte eines der Kinder, „der Chirurg könnte einen Fehler machen und das Falsche durchschneiden“.
Die Forscher berichten, dass die Broschüren der Kinder zwar an vielen Stellen belustigend wirkten, aber auf ein wichtiges Kernproblem der Sprache verwiesen. Eine Operation und ihre Implikationen in komplizierte Worte zu verpacken, sei bei mündlichen und schriftlichen Aufklärungen eher hinderlich. Möglicherweise könnten Kinder bei der Erstellung von Aufklärungsbögen wie Tutoren für eine leichte Sprache wirken, so die Forscher.
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