Wehrbeauftragter mahnt Digitalisierung der Gesundheitsakten von Soldaten an

Berlin – Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung von Soldaten muss dringend vorangetrieben werden. Insbesondere das Fehlen der digitalen Gesundheitsakte führe zu „Fehlern in der Personalbearbeitung und erheblicher Frustration der Soldaten“, heißt es im Jahresbericht 2025 des Wehrbeauftragten des Bundestages, Henning Otte, der gestern vorgelegt wurde.
Regelmäßig berichten Soldatinnen und Soldaten demnach, dass ihre Gesundheitsakte nach einer Versetzung nicht bei der neuen Einheit angekommen ist oder verschiedene Befunde durch sie erneut angefordert werden mussten. In einem besonders gravierenden Fall sei die „Gesundheitsakte“ ein loser Zettelhaufen in einem üblichen Briefumschlag gewesen, so die Anmerkung im Jahresbericht.
„Ein solcher Umgang mit derart sensiblen Unterlagen ist auch mit Blick auf den Datenschutz inakzeptabel“, schreibt Otte in dem Jahresbericht. Das Verteidigungsministerium (BMVg) beabsichtige indes die „Anfangsbefähigung“ einer digitalen Gesundheitsakte bis Ende 2027 zu realisieren.
Kein Anstieg von Suiziden und Suizidversuchen bei Soldaten
Darüber hinaus nimmt der Wehrbeauftragte auch jedes Jahr das Thema Suizid und Suizidversuche von Soldaten in Augenschein. Hier ist kein Anstieg zu verzeichnen. Im Jahr 2025 wurden demnach 17 Selbsttötungen (2024: 18; 2023: 15; 2022: 18; 2021: 20; 2020: 11) registriert und 57 Versuche einer Selbsttötung (2024: 44; 2023: 57; 2022: 64; 2021: 58; 2020: 61).
Laut Otte seien die meisten der bekannt gewordenen Fälle im persönlichen Bereich begründet, beispielsweise durch Probleme im familiären Umfeld oder durch Suchterkrankungen. Dennoch seien auch im Dienst erlittene Posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatzschädigungen weiterhin Gründe für Suizide in der Bundeswehr.
Im Berichtsjahr habe sich gezeigt, dass Führungskräfte mit Suiziden und Suizidversuchen und Suizidankündigungen „umsichtig und sensibel umgegangen“ seien, heißt in dem Jahresbericht. Der Einsatz des Psychosozialen Netzwerks aus Militärseelsorge, Sanitätsdienst, Psychologischem Dienst und Sozialdienst leistete in solchen Ausnahmesituationen Hilfe und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
Der Wehrbeauftragte versteht sich als „Sprachrohr“ der Soldaten gegenüber dem Parlament und der Öffentlichkeit. Der Jahresbericht wird dem Bundestag jedes Jahr vorgelegt. Er benennt nach eigenen Angaben Herausforderungen sowie Defizite und formuliert Schlussfolgerungen und Empfehlungen.
Wenn Sie Suizidgedanken haben oder bei einer anderen Person wahrnehmen: Kostenfreie Hilfe bieten in Deutschland der Notruf 112, die Telefonseelsorge 0800/1110111 und das Info-Telefon Depression 0800/3344 533. Weitere Infos und Adressen unter www.deutsche-depressionshilfe.de.
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