WHO: Bei Unruhen im Iran werden Ärzte eingeschüchtert

Genf/Teheran – Bei den schweren Unruhen im Iran sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch Ärzte und Krankenhäuser in dem Land attackiert und verhaftet worden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zeigt sich besorgt.
„In den vergangenen Tagen gab es Berichte über Angriffe auf Gesundheitspersonal und die Festnahme von mindestens fünf Ärzten, während sie verletzte Patienten behandelten“, schrieb Ghebreyesus auf der Plattform X.
Er fordere die Freilassung aller inhaftierten Gesundheitsfachkräfte. Gesundheitspersonal dürfe niemals Einschüchterungen ausgesetzt sein. Zuvor hatte es bereits Berichte gegeben, nach denen Ärzte, die verletzten Demonstranten halfen, verhaftet wurden.
Darüber hinaus sollen verletzte Demonstranten von Sicherheitskräften aus Krankenhäusern geholt und abgeführt worden sein. Bei den jüngsten schweren Unruhen im Iran wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen Tausende Menschen getötet.
Tedros schrieb weiter, die WHO habe bestätigt, dass das Khomeini-Krankenhaus in der westiranischen Stadt Ilam Anfang Januar angegriffen worden sei. Nach der Einlieferung von Verletzten in das Krankenhaus sei es innerhalb und außerhalb der Einrichtung zu Gewalttätigkeiten gekommen. Die medizinische Versorgung sei unterbrochen worden.
In den vergangenen Wochen seien mehrere Gesundheitseinrichtungen im Iran beschädigt und mehr als 50 Rettungssanitäter verletzt worden. Auch im Sina-Krankenhaus in Teheran sei Berichten zufolge Tränengas eingesetzt worden.
Deutliche Kritik gab es gestern auch vom Weltärztebund, der sich gestern mit einem Schreiben an die iranische Führung gerichtet und eine Freilassung aller Mediziner und ein Ende der Gewalt gefordert hatte.
„Diese Praktiken stellen schwerwiegende Verstöße gegen die ethischen Grundprinzipien unseres Berufsstandes sowie gegen grundlegende Menschenrechte dar“, sagte WMA-Präsidentin Jacqueline Kitulu. Ärzte müssten ihre Aufgaben ohne Behinderung, Einmischung oder Angst vor Repressalien ausüben können.
In dem Schreiben wird betont, dass Alizera Golchini zu den medizinischen Fachkräften gehört, deren Leben derzeit in Gefahr ist, nur weil sie ihre medizinische Tätigkeit ethisch ausüben und sich bemühen, Leben zu retten. über den Fall berichteten mehrere Medien wie der Guardian und die FAZ ausführlich.
Dem Guardian zufolge wurde der Chirurg Alireza Golchini wegen „Moharebeh“ (Krieg gegen Gott) angeklagt, was laut der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Hengaw mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Das US-Außenministerium forderte gestern seine Freilassung.
Im Gespräch mit dem Guardian sagte sein in Kanada lebender Cousin Nima Golchini, dass Alireza Golchini am 10. Januar aus seinem Haus geholt worden sei. „Er wurde vor den Augen seiner Frau und seines erst 11-jährigen Sohnes gewaltsam festgenommen. Bei der Festnahme schlugen sie ihn so brutal, dass sie ihm den Arm und die Rippen brachen und ihn aus seinem Haus zerrten. Meine Familie ist entsetzt.“
Einige Tage vor seiner Verhaftung hatte Golchini, der auch Demonstranten während der Proteste „Frau, Leben, Freiheit“ 2022 behandelt hatte, soll der Chirurg nach Angaben seines Cousins eine Nachricht in den sozialen Medien gepostet haben, in der er seine Telefonnummer teilte und verletzte Patienten bat, sich für eine Behandlung an ihn zu wenden.
„Er hat nur seine Pflicht als Arzt erfüllt, Leben zu retten. Er hatte geschworen, Menschenleben zu retten. Wie kann ein Arzt seinen Eid nicht einhalten? Ich mache mir nicht nur um ihn Sorgen, sondern auch um andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die verhaftet wurden, weil sie einfach nur ihren Eid eingehalten haben.“ Berichten zufolge sollen zahlreiche Ärzte verhaftet worden sein.
Auslöser der Proteste war die desolate Wirtschaftslage. Die Proteste richteten sich danach jedoch offen gegen die autoritäre Herrschaft der Islamischen Republik.
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