WHO-Bericht: Frauen im Gesundheitswesen verdienen weniger als Männer

Kopenhagen – Frauen im Pflege- und Gesundheitsbereich verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Das zeigt eine neue Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die Daten aus 43 der 53 europäischen Mitgliedstaaten verglichen wurden.
Frauen im Gesundheits- und Pflegesektor der WHO-Region Europa stellen demnach mit fast 77 Prozent den überwiegenden Teil des Personals. Ihr Stundenlohn liegt im Schnitt 19 Prozent – das Monatsgehalt sogar 28 Prozent – unter dem ihrer männlichen Kollegen, so der Bericht.
Rechnet man Faktoren wie Alter, Bildungsstand, Arbeitszeit und die Zugehörigkeit zum öffentlichen oder privaten Sektor heraus, sinkt die Stundenlohnlücke dem Bericht zufolge von 19 auf sechs Prozent, die Monatslohnlücke von 28 auf zehn Prozent.
In der deutschen Humanmedizin ist der Gender-Pay-Gap laut WHO besonders groß. Ambulant in Vollzeit angestellte Ärztinnen erhalten durchschnittlich 21 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Berufskollegen.
Am stärksten ausgeprägt ist die Lohnlücke in den oberen Gehaltsgruppen: Während Frauen in unteren Lohnsegmenten nur rund zwei Prozent weniger verdienen als Männer, wächst der Unterschied an der Spitze der Gehaltsskala auf fast 23 Prozent. Mit Blick auf Führungspositionen im Gesundheitswesen zeigt sich grundsätzlich, dass diese häufiger mit Frauen besetzt sind als vergleichbare Managementpositionen anderer Branchen.
Der verbleibende, nicht erklärbare Anteil hänge am ehesten mit der Bewertung frauendominierter Arbeit an sich zusammen, so die WHO. Es werde insgesamt deutlich, dass ein höherer Frauenanteil über alle Tätigkeitsfelder hinweg mit einer niedrigen Bezahlung einhergeht.
Natasha Azzopardi-Muscat, Direktorin der Abteilung Gesundheitssysteme bei WHO Europa, spricht von einer strukturellen Unterbewertung weiblicher Arbeit. Der Gender Pay Gap sei kein Qualifikationsproblem. Das Problem zu lösen, bleibe „eine Frage des Willens“. Jeder Mitgliedstaat der Region könne heute damit beginnen, so Azzopardi-Muscat.
Die WHO Europa fordert von den Mitgliedstaaten unter anderem verpflichtende Berichtspflichten zur Lohnlücke, nach Geschlecht, Beruf und Ethnie aufgeschlüsselte Lohndaten, eine schärfere Durchsetzung von Equal-Pay-Gesetzen, den Abbau struktureller Hürden wie fehlender Mentoringprogramme sowie eine grundsätzliche Aufwertung der Vergütung von Gesundheits- und Pflegeberufen.
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