WHO-Chef: Lage bei Hantavirus-Ausbruch stabilisiert sich

Genf – Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff sind noch weitere einzelne Fälle gemeldet worden. Die Gesamtzahl der Betroffenen sei auf zwölf gestiegen, sagte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, heute in Genf. „Die Lage stabilisiert sich“, schrieb er auf der Plattform X.
Demnach meldeten die Niederlande heute einen neuen Fall bei einem Mitglied der Schiffsbesatzung, das sich seit Verlassen des Schiffes in Teneriffa in seiner Heimat in Isolierung befunden habe. Inzwischen seien seit dem 2. Mai keine neuen Todesfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch aufgetreten. Zu Beginn der Woche hatte die kanadische Gesundheitsbehörde einen Fall bei einem Passagier bestätigt. Die Person habe milde Symptome, hieß es.
Auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ hatte es einen Hantavirusausbruch gegeben, drei Passagiere starben. Bei ihnen wurde eine Infektion mit dem Andesvirus nachgewiesen, bei dem Mensch-zu-Mensch-Übertragungen dokumentiert sind.
Der WHO-Chef appellierte an die betroffenen Länder, die ehemaligen Passagiere und die Crew sorgfältig bis zum Ende der Quarantäne zu überwachen. Die Inkubationszeit ist bis zu sechs Wochen lang.
In 30 Ländern werden nach WHO-Angaben weiterhin mehr als 600 Kontaktpersonen nachverfolgt, eine geringe Anzahl von Kontaktpersonen mit hohem Risiko werde noch ausfindig gemacht.
Zusätzlich gibt es Berichte über Kontaktpersonen in verschiedenen Ländern mit unspezifischen Symptomen. Wie es heute in einem WHO-Webinar hieß, wird hier von anderen vorliegenden Krankheitserregern ausgegangen.
Fachleute unterstrichen dabei erneut, dass davon ausgegangen wird, dass für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Andesvirus ein längerer (mehr als 30 Minuten), enger Kontakt (unter einem Meter Abstand) zu Infizierten nötig ist. Ausnahmen seien aber etwa bei besonders hohen Viruslasten von Infizierten vorstellbar.
Unterdessen ist die Suche nach der möglichen Quelle des Ausbruchs angelaufen. Bis Ergebnisse vorliegen, könne es bis zu einem Monat dauern, berichtete die Nachrichtenagentur AFP kürzlich. Demnach haben argentinische Wissenschaftler begonnen, in Wäldern um den Urlaubsort Ushuaia in Feuerland Proben von Nagetieren einzusammeln.
Sie prüfen, ob am Startpunkt der Reise der „Hondius“ Nagetiere vorkommen, die das Virus übertragen haben könnten. Ushuaia verteidigt sich laut dem Bericht vehement gegen den Vorwurf, dass der Ausbruch dort seinen Ursprung gehabt haben könnte. Örtlichen Behörden zufolge ist das Hantavirus seit 30 Jahren nicht mehr dort aufgetreten. Auch ist die Rattenart, die das Andesvirus überträgt, den Angaben zufolge in der Region nicht mehr verbreitet.
Die WHO nimmt an, dass sich der erste betroffene Passagier noch vor Besteigen des Kreuzfahrtschiffes an Land angesteckt haben dürfte. Danach gilt eine weitere Übertragung von Mensch zu Mensch auf dem Schiff als wahrscheinlich. Die Untersuchungen zu Umständen auf dem Schiff dauern an.
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