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WHO: Erweiterung der Verhütungsmethoden und gerechtere Verteilung der Verhütungslast

  • Freitag, 25. September 2026
Verschiedene Methoden zur Verhütung: orale Kontrazeptiva, Kondome, Vaginalring, Spirale und so weiter /JPC-PROD, stock.adobe.com
Verschiedene Methoden zur Verhütung: orale Kontrazeptiva, Kondome, Vaginalring, Spirale und so weiter /JPC-PROD, stock.adobe.com
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Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Leitlinie veröffentlicht, in der sie Empfehlungen für erweiterte Verhütungsoptionen (ECO) ausspricht. Damit möchte die Organisation die Länder dabei unterstützen, den Zugang zu evidenzbasierten Methoden auszubauen.

„Am 26. September ist Weltverhütungstag“, sagte Pascale Allotey, Direktorin der WHO-Abteilung Sexual, Reproductive, Maternal, Child and Adolescent Health and Ageing, im Rahmen eines WHO-Webinars. „Das Motto lautet: Keine Barrieren, einfach nur Wahlfreiheit.“

Die Barrieren, die fallen müssten, bezögen sich dabei auf soziale Stigmata, begrenzte Kenntnisse und Aufmerksamkeit, nicht gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung sowie Fehl- und Desinformation, erläuterte Allotey.

„Bei der Wahlfreiheit geht es um substanzielle reproduktive Autonomie“, führte die WHO-Expertin weiter aus. Es sei die Fähigkeit zu entscheiden, ob, wann und wie Verhütungsmittel eingesetzt werden, welche Methode gewählt wird und wann gewechselt oder abgesetzt wird. Dabei dürfe es keinen Zwang durch Dienstleister, Partner, Familien und den Staat geben.

Belastung auf Männer und Frauen verteilen

„Echte Wahlfreiheit bedeutet das Selbstvertrauen und die Kontrolle, eine Methode auszuwählen, sie zu wechseln und sie abzubrechen, ohne dass es an einem dieser drei Punkte Hindernisse gibt“, hob Allotey hervor.

„Gemessen an diesem Maßstab haben wir noch einen langen Weg vor uns.“ Mehr als 160 Millionen Frauen, die eine Schwangerschaft vermeiden möchten, wendeten keine moderne Verhütungsmethode an. Der häufigste Grund seien Nebenwirkungen und gesundheitliche Bedenken, so die Expertin weiter.

Seit 60 Jahren läge die Last der Verhütung fast ausschließlich auf den Frauen. Männer verließen sich auf die Methoden, die schon ihre Großväter verwendet hätten. „Die biologische, finanzielle und soziale Belastung ist den Frauen zugefallen.“

Es sei erforderlich, die kontrazeptiven Methoden für Männer auszubauen, auf diesem Weg könnte diese Belastung gerecht verteilt werden, sagte Allotey. In diesem Zusammenhang hat die WHO einen Bericht veröffentlicht, der sich mit der Entwicklung von Verhütungsmethoden für Männer beschäftigt.

Die Veröffentlichung der ECO-Leitlinie habe eine enorme Bedeutung, betonte Allotey. Sie schließe die Lücke zwischen den bisherigen WHO-Empfehlungen und den Bedingungen in den einzelnen Ländern.

Zusammen mit der 6. Auflage der Medizinischen Eignungskriterien und der 4. Auflage der ausgewählten Praxisempfehlungen für die Anwendung von Kontrazeptiva biete die Leitlinie den Staaten die Möglichkeit, ihre Empfehlungen an aktuelle Ergebnisse anzupassen, erklärte die WHO-Expertin.

Bei der Entwicklung der Leitlinie wurden verschiedene Faktoren berücksichtigt, hob Nancy Santesso von der McMaster University in Hamilton, Kanada, und Mitglied der Leitliniengruppe hervor. Natürlich hätten sie sich die Evidenz hinsichtlich der Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen angeschaut.

Aber es sei ebenso wichtig, so Santesso weiter, die Werte und Präferenzen der Nutzerinnen und auch des Personals im Gesundheitswesen, das Verhütungsmittel bereitstellt, zu beachten. Darüber hinaus spielten auch die Akzeptanz, Kosten und Ressourcen sowie die Umsetzbarkeit der Empfehlungen eine wesentliche Rolle.

Mifepriston für die Notfallverhütung

Die erste Empfehlung sei die Gabe von Mifepriston als zusätzliche Option zur Notfallverhütung. Geraten wird zu einer einmaligen Gabe in einer Dosierung von zehn bis 50 mg. „Wir haben einige Anmerkungen gemacht, weil wir wissen, dass sich die Dosierungen zwischen den Ländern unterscheiden und eventuell eine Präferenz für bestimmte Dosierungen abhängig von der Verfügbarkeit besteht.“

Als nächstes ging Santesso auf den selektiven Östrogenrezeptormodulator Ormeloxifen ein, der in Indien als wöchentliches orales Kontrazeptivum entwickelt wurde. Nach Auswertung der Daten rate die Leitliniengruppe davon ab, die Substanz zu dem Methodenmix der Verhütungsmittel hinzuzufügen.

Die dritte Empfehlung, die die Expertin vorstellte, betrifft drei verschiedene Kombinationen mit Quinestrol, einem Ethinylöstradiol-Derivat, das seit Ende der 1960er-Jahre in China verfügbar ist. Auch hier spreche sich die Leitliniengruppe dagegen aus, die Mittel zu den kontrazeptiven Methoden hinzuzufügen.

Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva verlängern

Weiterhin empfehle die Gruppe, dass kombinierte orale Kontrazeptiva (COC) zum einen über einen verlängerten Zeitraum von bis zu sechs Monaten oder zum anderen kontinuierlich über ein Jahr neben der zyklischen Anwendung zum Einsatz kommen könnten, erklärte Santesso.

Dabei bedeute ein verlängertes Regime, dass das COC über mehr als 28 Tage eingenommen werde, dem ein hormonfreies Intervall folge, und ein kontinuierliches Regime die tägliche Einnahme des COC ohne Unterbrechung über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr.

Die letzte Empfehlung betreffe subdermale Etonogestrel-Implantate, berichtete Santesso. Diese könnten bis zu fünf Jahre in der Haut verbleiben, das würde der Zulassung durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA entsprechen.

aks

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