Wie Kliniken sich für das Hitzewochenende wappnen

Berlin – Rekordtemperaturen im Frühsommer, die heißeste Nacht seit Beginn der Messungen und noch keine Abkühlung in Sicht. Am Wochenende soll es an vielen Orten Deutschlands mehr als 40 Grad geben. Für die Krankenhäuser ist die Extremhitze eine große Herausforderung.
Das Deutsche Ärzteblatt hat bei einigen Kliniken nachgefragt, wie sie sich auf die Hitzewelle vorbereiten und welche Maßnahmen ergriffen werden, um Mitarbeitende und Patientinnen und Patienten zu schützen.
Insbesondere ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch Kranke sowie Schwangere und kleine Kinder sind durch die Hitze gefährdet. Zu Schutzmaßnahmen und gegenseitiger Hilfe haben in dieser Woche auch die Bundesärztekammer (BÄK) und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug) aufgerufen.
Das Evangelische Krankenhaus Mülheim und das Evangelische Krankenhaus Oberhausen in Nordrhein-Westfalen setzen vor allem auf eine optimierte Klimatisierung in sensiblen Bereichen durch mobile Klimageräte sowie eine erhöhte Trinkwasserbereitstellung. Das erklärte eine Pressesprecherin der Kliniken.
Es gebe Anweisungen an das Pflegepersonal, nur in den frühen Morgenstunden zu lüften und die Fenster tagsüber geschlossen und möglichst verdunkelt zu halten. Außerdem könnten in besonders warmen Räumen Ventilatoren aufgestellt werden.
„Zusätzlich sensibilisieren die Pflegekräfte gezielt für hitzebedingte Gesundheitsrisiken, insbesondere bei älteren und chronisch kranken Menschen.“ In der Geriatrie werden zusätzlich kalte Waschungen, kalte Wickel sowie Kühlakkus angeboten, um den älteren Patientinnen und Patienten Abkühlung zu verschaffen. Auch werde die Kleidung und die Bettwäsche aktuell häufiger gewechselt.
Klimatisiert seien entsprechend der gesetzlichen Vorgaben die OPs und Intensivstationen. Und: Kürzlich seien die sonnenzugewandten Fenster im EKO durch Modelle mit Sonnenschutzscheiben ersetzt worden. „Für dieses Jahr ist zudem der Einbau einer Klimatisierung auf der geriatrischen Station E6 geplant“, erklärte die Sprecherin weiter. Wie heiß es in den beiden Kliniken sei, könne die Sprecherin nicht sagen. Eine regelmäßige Temperaturmessung finde nicht statt.
Mehr Betrieb in der Notaufnahme erwartet
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Brandenburg rechnet am Wochenende mit mehr Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. In den vergangenen Tagen habe es bereits einige Hitzenotfälle gegeben, „meist ältere Mitbürger mit Symptomen, die auf zu wenig Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen sind“.
Auch mindestens eine thermische Verletzung durch übermäßiges Sonnenbad und ein Mensch mit hellem Hauttyp mit Rötung und beginnender Blasenbildung waren dabei. Das Personal der Zentralen Notaufnahme und weiterer Kliniken sei vorbereitet auf Menschen beispielsweise mit Kreislaufkollaps, Schwindel und Kopfschmerzen.
Das Klinikum Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg wird über eine Lüftungsanlage mit gekühlter Frischluft von etwa 22 Grad Celsius versorgt. „Um eine Wirksamkeit der Lüftung zu erhalten, sollen während der heißen Tagesstunden Fenster, Türen sowie Sonnenschutzeinrichtungen weitgehend geschlossen bleiben“, erklärte eine Kliniksprecherin. Auch hier werde gezielt in den frühen Morgen- sowie in den Abend- und Nachtstunden gelüftet.
„Darüber hinaus achten unsere Mitarbeitenden besonders auf das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten, beispielsweise durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr.“ Zudem stünde allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganzjährig kostenfrei Wasser aus den im Haus aufgestellten Wasserspendern zur Verfügung. „Bei länger anhaltenden Hitzeperioden werden darüber hinaus von der Geschäftsführung kostenfrei Softdrinks bereitgestellt“, heißt es weiter.
Vulnerable Patienten im Fokus
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bringt besonders stark erkrankte und schwache Patienten nach Möglichkeit in Zimmern unter, die sich nicht so schnell aufheizen, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Einige Bereiche wie Intensivstationen, Operationssäle oder die Notaufnahme seien klimatisiert.
Auch das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam bereitet sich auf Hitzetage wie die am Wochenende vor. „Dazu gehören insbesondere die Sensibilisierung der Mitarbeitenden, die besondere Beobachtung gefährdeter Patientengruppen sowie Maßnahmen zur Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung“, teilte ein Sprecher mit.
Es gebe zudem bewährte Hitzeschutzmaßnahmen wie angepasste Lüftungskonzepte, die Vermeidung unnötiger Wärmebelastung und eine engmaschige Betreuung vulnerabler Personen. „Alle notwendigen medizinischen Materialien stehen in ausreichender Menge zur Verfügung“, schrieb ein Sprecher. Die Abläufe in der Notaufnahme seien auf ein erhöhtes Patientenaufkommen abgestimmt.
Die Vorsitzende des Marburger Bundes (MB), Susanne Johna, forderte heute im ZDF-Morgenmagazin Politik, Architekten und auch Klinikketten dazu auf, die mit dem Klimawandel zunehmenden Hitzewellen stärker bei der Planung von Gebäuden zu berücksichtigen. „Wir bräuchten natürlich im Wesentlichen Raumlufttechnik und dort, wo Patientinnen und Patienten sind, doch mal mindestens eine Außenbeschattung der Fenster“, sagte die Ärztin weiter.
„Die meisten Intensivstationen in Deutschland sind mittlerweile klimatisiert, aber dann hört es auch schon fast auf. Nur ein Drittel der Häuser hat klimatisierte Patientenzimmer.“ Klare Vorgaben gebe es nur für Operationsbereiche oder die Radiologie, weil die Geräte schlicht die Hitze nicht aushielten.
Abhilfe werde Johna zufolge teils mit provisorischen Lösungen geschaffen: „Wir bitten oft auch Angehörige, zum Beispiel Kühlakkus von zu Hause mitzubringen, die kurzzeitig Erleichterung verschaffen.“ Johna warnte vor mehr Todesfällen während extremer Hitze. „Man muss eben realistisch sagen, in solchen Hitzewellen sterben Menschen häufiger. Das ist statistisch eindeutig so, und zwar auch im Krankenhaus.“
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