Wissenschaftler: Schlafprobleme nehmen zu

Leipzig – Die Bundesbürger haben nach Einschätzung des Schlafforschers Dieter Riemann zunehmend mit gesundheitlich problematischen Schlafproblemen zu kämpfen. „Inzwischen leiden rund zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung darunter, also mehr als sechs Millionen Menschen“, sagte der Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Leipzig.
Kritisch wird es aus seiner Sicht, wenn Schlafprobleme mehr als drei Monate andauern. Anzeichen seien andauernde Schlaflosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen und damit verbundenes frühmorgendliches Erwachen und Tagesmüdigkeit. Diese Phänomene hätten während der Coronazeit deutlich zugenommen, so Riemann.
„Zwischen 2000 und 2022 ist die Zahl der Erwachsenen in Deutschland, die unter chronischen Schlafstörungen leiden, um 36 Prozent gewachsen.“ Chronische Schlafprobleme erhöhten das Risiko für psychische Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Der Psychologe verwies darauf, dass es nicht das Weltgeschehen sei, das den Menschen den Schlaf raube. „Sondern es sind in erster Linie die privaten Sorgen einschließlich beruflicher oder existenzieller Probleme“, betonte er.
„Dinge des Weltgeschehens wirken sich am häufigsten auf den Schlaf aus, sobald sie in den privaten Sektor eingreifen. Man kann sagen, dass alles, was unser Leben unsicher macht, auch unseren Schlaf stört.“
Zu mehr Gelassenheit rät Riemann mit Blick auf gelegentliche Alltagsschlafprobleme. „Schlaf ist ein dynamisches System; gelegentliches Aufwachen in der Nacht ist ganz normal.“ Die Menschen setzten sich in der modernen Gesellschaft zu sehr unter Druck, durchschlafen zu müssen und auf acht Stunden Schlaf zu kommen.
„Jeder hat ein individuelles Schlafbedürfnis, und man kann sich verrückt machen, wenn man sich an dieser überholten Vorgabe misst.“ Vor der Industrialisierung hätten Menschen oft einen ersten und einen zweiten Schlaf gehabt. „Sie sind nachts für eine Stunde oder länger aufgewacht, haben gelesen, sich unterhalten oder andere Dinge getan.“
Skeptisch zeigte sich Riemann gegenüber Smartwatches und Apps, die die Qualität des Schlafes messen. „Der allergrößte Teil der Smartwatches kann das derzeit nur sehr ungenau durch wenige Sensoren am Handgelenk vermessen. Sie können allenfalls eine grobe Orientierung bieten.“ Da seien die Schlaflabore noch weit voraus, weil sie nicht nur Aktivität und Herzfrequenz messen, sondern beispielsweise mit einem EEG auch die Hirnwellen.
Zugleich schloss Riemann nicht aus, dass man in zehn Jahren vieles zu Hause messen könne. „Bei steigender Qualität wäre mobiles Screening ein durchaus sinnvoller Ansatz. Das Gute an den Messgeräten für den Arm ist, dass man nicht nur punktuell in einer oder zwei Nächten, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg den Schlaf der Menschen misst“, so der Schlafforscher. „Man kann so individuelle Muster erkennen und auch überprüfen, ob die Selbsteinschätzung sich objektiv bestätigen lässt.“
Eine erneute Umfrage der DAK-Gesundheit hat unterdessen gezeigt, dass Frauen nach wie vor nach der Zeitumstellung deutlich häufiger als Männer gesundheitliche Probleme wie Schlafstörungen oder Gereiztheit haben.
Demnach haben bereits fast 40 Prozent der Frauen Beschwerden nach der Zeitumstellung verspürt. Bei den Männern sind es 22 Prozent. Am häufigsten leiden die Betroffenen dabei unter Müdigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt somit mit einer Stunde weniger Schlaf.
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