Ärzteschaft

Wissenschaftliche Evidenz spricht für Einführung einer Süßgetränkesteuer

  • Dienstag, 21. April 2026
/FERNANDO, stock.adobe.com
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Bayreuth – Steuern auf Süßgetränke sind eine wirksame Maßnahme zur Prävention von Adipositas und anderen ernährungsbedingten Erkrankungen. Zu diesem Fazit kommt ein Konsortium von 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland. Ihre Stellungnahme ist in der Open-Science Plattform Zenodo erschienen (2026; DOI: 10.5281/zenodo.19648685).

Mangelnde Prävention kostet Menschenleben und stellt die Tragfähigkeit des solidarisch finanzierten Gesundheitssystems in Frage. Deshalb empfiehlt die Finanzkommission Gesundheit zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge die Einführung einer Süßgetränkesteuer.

Die Stellungnahme ordnet die aktuelle Evidenz angesichts der laufenden politischen Debatte in Deutschland ein. Danach sind die negativen gesundheitlichen Auswirkungen eines regelmäßigen Konsums von Süßgetränken wissenschaftlich zweifelsfrei belegt.

Internationale Erfahrungen zeigten zudem, dass angemessen ausgestaltete Süßgetränkesteuern den Konsum von Süßgetränken und die Zuckeraufnahme wirksam senken. In den vorliegenden Studien zeigt sich laut der Übersicht eine durchschnittliche Preiselastizität von rund minus 1,6. Dies bedeutet, dass eine steuerbedingte Preiserhöhung um ein Prozent im Schnitt mit einem Absatzrückgang um rund 1,6 Prozent einhergeht.

Süßgetränkesteuern mit nach dem Zuckergehalt gestaffelten Steuersatz setzten zudem Anreize für den Hersteller, den Zuckergehalt zu senken. Zum Beispiel zeigte sich in Großbritannien in der Folge der dort eingeführten Herstellerabgabe auf Süßgetränke ein deutlicher Rückgang des Anteils an Süßgetränken mit einem Zuckergehalt von über fünf g/100 ml um über 30 Prozent.

„Unter jungen Erwachsenen in Deutschland hat sich die Häufigkeit von Adipositas in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Eine Süßgetränkesteuer alleine wird diese Entwicklung nicht umkehren können. Süßgetränkesteuern sind aber ein wichtiger Baustein einer umfassenden Präventionsstrategie“, sagte Peter von Philipsborn, Hauptautor der Stellungnahme.

Diese wird von zahlreichen Fachorganisationen unterstützt, unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH).

hil

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