Politik

Wissenschaftliches Institut der AOK fordert Systemumbau bei der Krankenversicherung

  • Montag, 2. September 2013
Uploaded: 02.09.2013 16:49:44 by mis
dpa

Berlin – Ein gemeinsames Krankenversicherungssystem, das „gleichzeitig solidarisch und wettbewerblich ausgestaltet ist“ statt eines Miteinanders von gesetzlichen und privaten Kassen fordert das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). „Das duale Krankenversicherungssystem in Deutschland mit einem Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung als eigenständige Systeme stößt an Grenzen“, sagte der Geschäftsführer des WIdO, Klaus Jacobs, anlässlich der Veröffentlichung des Buches „Die Krankenversicherung der Zukunft“ in Berlin.

Darin argumentiert Jacobs mit einer Analyse sozio-ökonomischer Daten von Versicherten der privaten Krankenversicherung (PKV) und der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Danach lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der PKV-Versicherten 2010 bei knapp 47.000 Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie bei den gesetzlich Versicherten mit weniger als rund 21.500 Euro.

Viele Privatversicherte verfügten jedoch dennoch nur über kleine Einkommen und hätten daher Schwierigkeiten, die Beiträge für einen umfassenden Krankenversicherungsschutz zu bezahlen, hieß es aus dem WIdO. Diesen Versicherten fehle der Solidarausgleich, der in der PKV nicht vorgesehen sei.

Das WIdO argumentiert weiter, Versicherte beider Systeme schätzten das Prinzip der Einkommenssolidarität: Laut einer WIdO-Untersuchung halten es fast 90 Prozent der gesetzlich Versicherten ganz oder zumindest teilweise für richtig, dass Besserverdiener im Gesundheitssystem mehr bezahlen als Geringverdiener. Auch unter den Privat­versicherten läge die entsprechende Zustimmung bei rund 85 Prozent.

Die Krankenversicherung der Zukunft sollte laut Jacobs daher drei zentrale Merkmale aufweisen: die solidarische Finanzierung des Leistungskatalogs, Wettbewerb auf der Grundlage möglichst uneingeschränkter Wechselrechte aller Versicherten zu allen Versicherungen sowie wirksame Instrumente zur Steuerung der Gesundheitsversorgung im Hinblick auf Qualität und Wirtschaftlichkeit.

„Bei einem Fortbestand der Dualität auf dem Krankenversicherungsmarkt könnten alle drei Anforderungen aber nicht erfolgreich erfüllt werden“, sagte der WIdO-Chef. Er kritisiert, von einem „Systemwettbewerb zwischen GKV und PKV in Deutschland könne keine Rede sein“, weil nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt eine echte Wahl­option habe. Dabei handele es sich überwiegend um junge und gesunde Personen, die an Fragen der Gesundheitsversorgung zumeist kein akutes Interesse hätten.

Nach Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat damit jetzt auch das WIdO seine Vision für die Krankenversicherung der Zukunft entworfen. Wie der Minister möchte auch das AOK-Institut die PKV für alle öffnen. Bahr will dazu aber lediglich die Versiche­rungspflichtgrenze abschaffen, was die PKV stärken würde. Die WIdO-Forderung nach freiem Zugang und Solidarausgleich in der PKV bedeutet dagegen faktisch eine Abschaffung der Privaten.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung