Wünschewagen startet in Rheinland-Pfalz und in Sachsen
Mainz – In Rheinland-Pfalz und Sachsen ist in diesen Tagen ein neues Projekt gestartet, das Schwerkranken innige Wünsche erfüllen will. In Hessen soll der sogenannte „Wünschewagen“ in den nächsten Wochen die Arbeit aufnehmen. Bisher gibt es die umgebauten Krankenwagen in acht Bundesländern; der erste fuhr vor zwei Jahren im Ruhrgebiet. In Hessen wird in Kürze ebenfalls ein solcher Spezialwagen starten.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) unterstützt den „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Der umgebaute Krankenwagen soll dabei helfen, Schwerkranken innige Wünsche zu erfüllen. „Die Schirmherrschaft für solch ein wichtiges Projekt zu übernehmen, ist mir ein Herzensanliegen“, erklärte Dreyer. Noch einmal ans Meer zu fahren, noch einmal ein Konzert der Lieblingsband anzuhören, ein Fußballspiel des Lieblingsclubs ansehen zu dürfen – das alles werde schwer kranken Menschen mit dem Wünschewagen kostenlos ermöglicht.
Das Angebot setze da an, wo Angehörige allein überfordert seien, erklärte Karina Dingebauer vom ASB. „Zum Beispiel wenn ein Fahrgast nur liegend transportiert werden kann oder pflegerische oder medizinische Betreuung benötigt.“
Das Fahrzeug in Rheinland-Pfalz unterscheidet sich von normalen Krankenwagen durch eine Rundumverglasung, sodass der Fahrgast zu allen Seiten hinausschauen kann. Alle medizinischen Geräte an Bord sind in Schränken versteckt. Der ASB verwendet eine bequemere Trage und eine richtige Decke mit Kopfkissen. Außerdem gibt es ein DVD- und Soundsystem.
Die Fahrgäste könnten eine Begleitung mitnehmen, und auch für diese sei die Fahrt kostenlos, erklärte Dingebauer. Finanziert werde der Wünschewagen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Eine Altersbeschränkung gebe es nicht, fährt Dingebauer fort: „Der Wünschewagen fährt leider ja auch für Kinder.“
In NRW habe das Fahrzeug eine Neunjährige, die an einer neurodegenerativen Grunderkrankung leidet, zum St.-Martins-Umzug in ihrer ehemaligen Schule begleitet. Ein anderes Mal fuhr der Wünschewagen eine 27-Jährige mit Brustkrebs und Hirn-, Knochen- und Lebermetastasen für einen Tag ans Meer. Ein 64-Jähriger schaffte es dank des Fahrzeugs, trotz seiner Krebserkrankung bei der Hochzeit seiner Tochter dabei zu sein.
Die Landesregierung Rheinland-Pfalz unterstützt die ehrenamtliche Hospizarbeit mit jährlichen Zuschüssen von mehr als 190.000 Euro an den Hospiz- und Palliativverband. Das deckt nach Angaben der Staatskanzlei zu einem geringen Teil die Finanzierung der Geschäftsstelle sowie vor allem die Finanzierung von Maßnahmen der Mitgliedsorganisationen ab.
In Sachsen gibt es das Angebot seit Dezember vergangenen Jahres. Im Schnitt gebe es drei Anfragen pro Woche, sagte ASB-Geschäftsführer Uwe Martin Fichtmüller. Das Fahrzeug sei in Leipzig stationiert, komme aber in ganz Sachsen zum Einsatz. Koordinatoren des ASB vor Ort würden die Wünsche Betroffener entgegennehmen. Das Vorhaben wird ehrenamtlich betreut und ausschließlich durch Spenden und Sponsoren getragen, hieß es in einer Mitteilung des ASB. In der kommenden Woche soll das Angebot detailliert vorgestellt werden. Die Schirmherrschaft hat Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) übernommen.
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