Zahl der Herzinfarkte zurückgegangen, Risikofaktoren nehmen zu

Berlin – Die Zahl der Herzinfarkte in Deutschland sinkt. Das signalisiert eine Datenauswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für den Gesundheitsatlas Deutschland.
Danach wurden in den deutschen Krankenhäusern im Jahr 2024 rund 185.400 Herzinfarktfälle dokumentiert. Dies entspricht einer Rate von 320 Fällen je 100.000 Personen ab dem 30. Lebensjahr. Im Jahr 2017 waren es noch 215.600 Fälle – eine Rate von 380 Fällen je 100.000 Personen.
Die Zahl der Herzinfarktfälle hat sich laut dieser Erfassung im beobachteten Zeitraum von 2017 bis 2024 um etwa 30.000 reduziert. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent.
„Der positive Trend dürfte mit Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und einer verbesserten medizinischen Behandlung der Risikofaktoren für Herzinfarkte zusammenhängen“, sagte Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO. Die Zahlen beruhen auf den Krankenkassen-Routinedaten der mehr als 27 Millionen AOK-Versicherten.
Die Auswertungen zeigen, dass die Herzinfarktraten mit dem Alter erwartungsgemäß ansteigen. Dabei gibt es einen deutlichen Geschlechterunterschied: In allen Altersgruppen sind Herzinfarkte bei Männern deutlich häufiger dokumentiert als bei Frauen. So lag die Herzinfarktrate in der Gruppe der 85- bis 89-Jährigen bei 1.240 je 100.000 Männer, während nur 720 je 100.000 Frauen betroffen waren.
„Für diese Unterschiede können nicht nur Lebensstilfaktoren oder biologische Faktoren verantwortlich sein, sondern auch Unterschiede in der Art und Intensität der Symptome. Sie führen oft dazu, dass ein Herzinfarkt bei Frauen nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wird“, so Schröder.
Der Gesundheitsatlas schlüsselt die Daten zur Herzinfarkthäufigkeit auch regional auf: An der Spitze steht Thüringen mit einer Rate von 370 Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren. In Hamburg liegt die Rate dagegen bei 270 Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren.
Ein großer Teil dieser Unterschiede ist nach Aussagen des WidO auf Alters- und Geschlechtsunterschiede in der jeweiligen Bevölkerung zurückzuführen. Werden diese Unterschiede rechnerisch bereinigt, nähern sich die Werte deutlich an.
Die Fallraten je 100.000 Personen liegen dann bei 340 in Thüringen und 300 in Hamburg. In diesem alters- und geschlechtsstandardisierten Vergleich ist Bremen mit einer Rate von 370 je 100.000 Personen der Spitzenreiter, während die Rate in Sachsen mit 270 je 100.000 am niedrigsten ist.
Der Gesundheitsatlas Deutschland erfasst die Entwicklungen für 26 Erkrankungen. Dabei zeigt sich zum Beispiel, dass Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck häufiger vorkommen – also Risikofaktoren für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit.
Danach ist der Anteil der Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 an der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren von 10,6 Prozent im Jahr 2017 auf 11,2 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Auch Blutdruck wird häufiger oder häufiger erfasst. Hier wuchs der Anteil der betroffenen Menschen an der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren von 28,8 Prozent im Jahr 2017 auf zuletzt 29,9 Prozent im Jahr 2024.
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