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Zahl der MVZ wächst, Transparenz von Trägerstrukturen angemahnt

  • Donnerstag, 15. Oktober 2026
/picture alliance, SZ Photo, Florian Peljak
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Berlin – Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Dies zeigt die neue Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die heute veröffentlicht wurde.

Deutliche regionale Unterschiede zeigen sich demnach bei den Trägerarten – obwohl sich die Trägerstruktur in Deutschland nach wie vor nicht gänzlich durchdringen lässt. Denn vor allem zu investorenbetriebenen MVZ fehlen Angaben zu den dahinterliegenden Eigentümer- und Beteiligungsverhältnissen. Das Deutsche Ärzteblatt hatte darüber ausführlich berichtet. Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried mahnte Transparenz an.

Zwischen 2017 und 2020 stieg die Zahl der MVZ der Untersuchung zufolge von 2.538 auf 3.429 Betriebsstätten und damit um 35 Prozent. Berücksichtigt wurden zwölf von 17 Gebieten der Kassenärztlichen Vereinigungen (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Nordrhein, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Westfalen-Lippe). Die Anzahl der in den MVZ tätigen Ärztinnen und Ärzte wuchs von 15.621 auf 20.924 und damit um 34 Prozent an.

Bundesweit wurden die meisten Zentren von Krankenhäusern betrieben, sie umfassten dem Zi zufolge auch mehr Standorte sowie Ärzte als vertragsärztliche Träger. Problematisch daran: „Wenn sich viele Standorte bei einem Träger bündeln, müssen wir neben möglichen Vorteilen der Zusammenarbeit die Stabilität der Versorgung im Blick behalten“, betonte von Stillfried. „Wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Trägers könnten dann mehrere relevante Versorgungsangebote in einer Region gleichzeitig betreffen.“

44,3 Prozent der MVZ-Betriebsstätten waren in der Hand von rund 840 Krankenhausträgern, auf vertragsärztliche Träger entfielen 39,5 Prozent. Pro Krankenhausträger wurden im Mittel 1,8 Betriebsstätten und 12,6 Ärzte erfasst, pro vertragsärztlichem Träger demgegenüber 1,3 Betriebsstätten und 7,4 Ärzte.

Zudem waren Krankenhausträger häufiger überregional aktiv. Vertragsärztliche Träger waren dagegen stärker durch kleinere Einheiten geprägt: 85,1 Prozent betrieben nur eine MVZ-Betriebsstätte, bei Krankenhausträgern waren es 68,2 Prozent.

Regional unterschied sich die Trägerstruktur den Zi-Daten zufolge deutlich. In Berlin befanden sich demnach 59,9 Prozent der MVZ-Betriebsstätten in vertragsärztlicher Trägerschaft. In Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt überwogen hingegen Krankenhausträger mit Anteilen von 77,1 Prozent, 63,9 Prozent beziehungsweise 57,6 Prozent.

Die stärksten Zuwächse zwischen 2017 und 2020 verzeichneten Baden-Württemberg und Nordrhein: In Baden-Württemberg nahm die Zahl der MVZ-Betriebsstätten um 55,3 Prozent und die der dort tätigen Ärztinnen und Ärzte um 51,9 Prozent zu, in Nordrhein um 46,8 beziehungsweise 42,2 Prozent.

Für die Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung empfiehlt das Studienautorenteam, insbesondere größere und kettenartig organisierte MVZ-Strukturen unter dem Gesichtspunkt der Widerstandsfähigkeit des Versorgungssystems aufmerksam zu beobachten.

„Unsere Analyse deutet auf einen regional relevanten Konzentrationsprozess bei Strukturen von Medizinischen Versorgungszentren hin. Da wir nichts über trägerübergreifende Eigentümerverhältnisse wissen, sehen wir nur einen Teil der wirtschaftlich relevanten Konzentration“, sagte von Stillfried.

Andernorts sei bereits ermittelt worden, „dass hinter größeren Trägerkonglomeraten übergreifende und verschachtelte Eigentümerstrukturen stehen können“. Von Stillfried plädierte für eine bessere Transparenz über die Trägerschaften und die dahinterstehenden Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen. Dies sei wichtig für eine verlässliche Versorgung.

Denn: „Erfahrungen im Ausland zeigen: Wenn sich die Interessenlagen von Investoren ändern oder einzelne größere Einrichtungen im Verbund in die roten Zahlen rutschen, können auch große Versorgungsträger ins Straucheln geraten. Daher bedeutet Größe nicht zwangsläufig Sicherheit. Im Gegenteil: Zieht sich ein regional dominanter Anbieter zurück, kann das kurzfristig kaum lösbare Versorgungsengpässe auslösen“, mahnte der Zi-Vorstandsvorsitzende.

In der Untersuchung würde die Größe, die fachliche Ausrichtung, regionale Verteilungen und die Entwicklung von MVZ nach Trägerart untersucht. Datengrundlage waren vertragsärztliche Abrechnungsdaten gemäß Paragraf 295 Sozialgesetzbuch (SGB) V der Jahre 2017 bis 2020 sowie ergänzende Trägerangaben aus den Landesarztregistern. Die Arztzahlen beruhen auf Personenzählungen, nicht auf Vollzeitäquivalenten. Für das Jahr 2020 wurden 2.217 Träger mit 3.429 MVZ-Betriebsstätten erfasst.

nfs/EB

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