Ärzte müssen sich für neue Gesprächssituationen fit machen

Berlin – Vor allem die elektronische Patientenakte (ePA) rückt Laborwerte verstärkt in den Fokus der Arzt-Patienten-Kommunikation, indem sie Diagnoseergebnisse transparenter und besser vergleichbar mache. Das hat der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) betont.
Im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen müssten sich Ärzte laut BDL deshalb auf neue Gesprächssituationen vorbereiten. Schon jetzt würden Laborwerte bei 60 bis 70 Prozent der medizinischen Diagnosen und in der Therapiekontrolle eine entscheidende Rolle spielen.
„Die digitale Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten im Bereich Labordiagnostik wird zunehmen“, prognostizierte der Vorsitzende des BDL, Andreas Bobrowski, im Rahmen der BDL-Jahreshauptversammlung.
Das habe auch mit der wachsenden Zahl von Vorsorgeuntersuchungen zu tun, bei denen Laborwerte eine Rolle spielten. Jüngstes Beispiel dafür sei das Screening auf Hepatitis B und C, das gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren seit dem 1. Oktober einmalig in Anspruch nehmen können. Hinzu kämen Gesundheits-Apps, die die Eingabe oder Freigabe insbesondere von Blutwerten durch die Nutzer vorsehen.
„Vor allem die Hausärztinnen und Hausärzte, aber auch die Fachärztinnen und Fachärzte im Labor, müssen sich fit machen für neue Gesprächssituationen“, erklärte der Digitalisierungsexperte des BDL Bernhard Wiegel die sich abzeichnenden Veränderungen.
Denkbar sei, dass Patienten ihre neuen Laborwerte schon vor dem behandelnden Arzt kennen würden. Über die elektronische Patientenakte könnten sie zudem Langzeitvergleiche anstellen. Hinzu komme die Frage, welche Daten der Patient in der ePA speichern lassen wolle und für welche Zwecke er sie zur Verfügung stelle.
Die Praxen stünden auch vor erheblichen Investitionen in ihr Datenmanagement, sagte Wiegel. „Sie müssen mit den großen Datenmengen umgehen, die ihnen ärztliche Diagnostiker schicken. Dahinter stehen erhebliche monetäre Aufwendungen. Wenn wir die Digitalisierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen, gehört auch die Finanzierung der Dateninfrastrukturen im Gesundheitswesen dazu.“
Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), rief im Rahmen der BDL-Hauptversammlung die Fachärzte im medizinischen Labor dazu auf, die Weichenstellungen für den innerärztlichen Austausch von Befunddaten mitzugestalten.
Dies gelte insbesondere für die von der gematik beschlossenen Telematikinfrastruktur 2.0, bei deren inhaltlichen Ausgestaltung noch viele Fragen offen seien. Hier müssten in enger Absprache zwischen den Haus- und Fachärzten einerseits und den im Labor tätigen Ärzten andererseits Strukturen entwickelt werden, in deren Mittelpunkt die Belange der Patientinnen und Patienten stehen, so Kriedel.
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