Ärzte ohne Grenzen: 101 Angriffe auf Behandlungszentren in Syrien

Genf – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat in Syrien seit dem vergangenen Jahr 101 Angriffe auf von ihr unterstützte Krankenhäuser gezählt. „Attacken auf Zivilisten und Krankenhäuser müssen aufhören. Die Normalisierung solcher Angriffe ist unerträglich”, sagte MSF-Chefin Joanne Liu am Donnerstag in Genf. „Wir sagen klar und deutlich: Der Arzt deines Feindes ist nicht dein Feind.”
23 Mitabeiter in diesem Jahr gestorben
Am Montag war ein von MSF unterstütztes Krankenhaus in der Provinz Idlib bei einem Luftangriff zerstört worden. Dies sei der 101. solche Angriff seit Anfang 2015, teilte die Organisation nun mit. In einem Bericht schreibt die Organisation, von Januar bis Dezember vergangenen Jahres seien Krankenhäuser und provisorische Behandlungszentren 94 Mal bombardiert oder beschossen worden, 23 Mitarbeiter starben. In zwölf Fällen seien die Behandlungsräume komplett zerstört worden.
Die Hilfsorganisation hatte für den Bericht Angaben von 70 unterstützten Krankenhäusern in Syrien ausgewertet. „Die MSF-Einrichtungen sind besonders gefährdet, seit die syrische Regierung 2012 alle Behandlungszentren für illegal erklärt hat, die Gewaltopfer in den Regionen versorgen, die von der Opposition kontrolliert werden”, heißt es darin. Deshalb müssten die meisten von MSF unterstützten Einrichtungen versteckt arbeiten.
Auch im Südsudan Krankenhaus beschossen
Bei einem Angriff auf ein Schutzzentrum der Vereinten Nationen für Zivilisten im Südsudan sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen mindestens 18 Menschen getötet worden. Mindestens 25 Menschen hätten mit Schusswunden behandelt werden müssen, erklärte die Hilfsorganisation am Donnerstag. Laut Bewohnern griffen Bewaffnete das Camp im nordöstlichen Malakal, in dem etwa 47.500 Menschen leben, in der Nacht an.
MSF zufolge waren unter den Toten auch zwei ihrer einheimischen Mitarbeiter, die in ihren Häusern angegriffen wurden. „Dieser Angriff auf Zivilisten ist empörend, und wir fordern die bewaffneten Gruppen auf, diese Taten zu stoppen", erklärte der örtliche MSF-Koordinator Marcus Bachmann. Die Menschen seien in das Lager auf der Suche nach Schutz gekommen, und es sollte von allen Parteien als Zufluchtsort respektiert werden.
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