Ärztinnenbund gegen flächendeckenden Einsatz nicht invasiver Pränataltests

Berlin – Der Ethikausschuss des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) hat sich in einer aktuellen Stellungnahme gegen die Übernahme von Kosten für nicht invasive Pränataltests (NIPT) aus mütterlichem Blut ausgesprochen. Der DÄB-Ausschuss hält es für ethisch nicht vertretbar, dass wohlhabende Schwangere oder Paare NIPT in Anspruch nehmen können, während weniger Vermögende zur Risikoklärung lediglich eine invasive Diagnostik – mit entsprechendem Abortrisiko – als GKV-Kassenleistung erhalten.
Vor diesem Hintergrund plädiert der DÄB dafür, entsprechende Tests lediglich bei eindeutiger medizinischer Indikation durchzuführen. Krankenkassen sollten die Kosten nur bei konkreten Verdachtsmomenten auf ein erhöhtes Risiko für eine kindliche Chromosomenstörung übernehmen – etwa bei Auffälligkeiten im Ultraschall, verdächtigen biochemischen Werte oder einer auffälligen Vorgeschichte. „Die Praxis eines flächendeckenden Einsatzes der nicht invasiven Pränataltests und der damit verbundene – in Zukunft noch weiter zunehmende – gesellschaftliche Druck auf die Schwangeren wird explizit nicht unterstützt“, betonte DÄB-Präsidentin Christiane Groß anlässlich des 120. Deutschen Ärztetags in Freiburg.
Seit 2012 werden in Deutschland Bluttests für Schwangere angeboten, die DNA-Fragmente von kindlichen Zellen im mütterlichen Blut messen und erhöhte Werte für einzelne Chromosomen (Trisomie 21, 18 oder 13 sowie Geschlechtschromosomenanomalien) identifizieren können. Diese Tests müssen bisher mit circa 250 bis 400 Euro selbst bezahlt werden. Ein solcher nicht invasiver Pränataltest (NIPT) hat eine hohe Sicherheit und ist ungefährlich für das Kind. Er kann für Risikoschwangere sehr hilfreich sein, weil sich überwiegend ein normaler Befund ergibt und dies psychisch entlastend wirkt.
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