Vermischtes

Akteure im Gesundheitswesen unterschiedlich weit bei KI-Nutzung

  • Donnerstag, 24. September 2026
/InfiniteFlow, stock.adobe.com
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Berlin – Künstliche Intelligenz (KI) bietet großes Potenzial, um das Gesundheitspersonal auf verschiedene Weise zu entlasten. Teilweise sind entsprechende Anwendungen schon in der Versorgung angekommen. Das erklärten Vertreter von Verbänden und Akteuren im Gesundheitswesen heute auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Vor allem bei administrativen und Dokumentationsaufgaben trägt KI heute schon dazu bei, Prozesse zu übernehmen, Daten zu strukturieren und damit Personal zu entlasten. Dies wird bereits von Krankenkassen, Apotheken, Krankenhäusern und Arztpraxen genutzt oder soll zeitnah eingesetzt werden.

In den Apotheken geht es zudem vor allem um das Management des Warenlagers, da jede Apotheke rund 10.000 bis 15.000 Produkte vorrätig halte, erklärte Thomas Preis, Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. In Bereichen, die direkt mit Patienten zu tun haben, werde KI in den Apotheken aber noch nicht eingesetzt, so Preis. Dafür seien die Anwendungen noch nicht sicher genug.

Die Arztpraxen sind da schon weiter. „In den meisten radiologischen Praxen läuft KI längst“, sagte Philipp Stachwitz, Leiter der Abteilung Digitalisierung bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Allerdings sei die letzte Kontrolle von Befunden und Diagnosen immer durch Menschen vorgeschrieben. Stachwitz wünscht sich zudem mehr KI an der Schnittstelle der Administration zur Medizin – also KI, die etwa bei der Sprechstunde mithört und strukturiert dokumentiert. „Viele Arztpraxen beginnen bereits, das einzusetzen“, betonte er.

Das verändere auch das Patientengespräch. So könne sich der Arzt oder die Ärztin mehr auf das Patientengespräch konzentrieren, statt parallel mit tippen zu müssen und Patienten würden besser verstehen, wie Ärzte arbeiten und was sie tun. Denn: Das Reden verändere sich, da Ärztinnen und Ärzte während der Untersuchung für die KI genau beschreiben müssen, was sie untersuchen. In diesem Bereich gebe es aber noch rechtliche Fragen zu klären, so Stachwitz.

Für die Krankenhäuser ist eine saubere Abrechnung zentral, die KI-gestützt künftig besser und effizienter laufen könnte. „Da werden wir in 12 Monaten sehr viel weiter sein“, sagte Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG). Wichtig sei auch die KI-gestützte Suche in Leitlinien, um schneller und zielgerichteter an Wissen zu kommen. Dies müsse nun konkret mit medizinischen Patientenpfaden verknüpft werden, um daraus beispielsweise auch Arztbriefe schreiben zu können, so Engehausen.

KI müsse zudem künftig dazu beitragen, dass Menschen Termine bei Haus- und Fachärzten schneller und möglichst in ihrer Region bekommen können, sagte Jouleen Gruhn, Vizepräsidentin des Landtags Brandenburg und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD. Die neue Medizinische Universität Lausitz in Cottbus biete etwa die Möglichkeit, entsprechende Innovationen im ländlichen Raum auszuprobieren, betonte Gruhn.

So solle bis 2030 ein digitaler Datenraum in der Region aufgespannt werden, der rund 500.000 Patientinnen und Patienten versorgen soll. Adressiert werden sollen vor allem Schnittstellenprobleme – die Landesdatenschutzbeauftragte des Landes Brandenburgs sei ebenfalls mit an Bord.

Allerdings räumte Gruhn ein, dass damit eine parallele Infrastruktur zur elektronischen Patientenakte (ePA) aufgebaut werden werde. „Das soll aber nicht so bleiben“, betonte die Ärztin und SPD-Politikerin. Sie erhalte insbesondere von älteren Ärzten oft die Rückmeldung, dass die ePA nicht nützlich sei und den Arbeitsalltag erschweren würde. Auf den Hinweis, dass damit wieder eine teure weitere Struktur geschaffen werde, entgegnete sie: „Wenn wir jetzt vor Ort die ePA pushen würden, dann würden die verbliebenen Hausärzte direkt in Rente gehen“, so Gruhn. Stattdessen müsse man es den Ärzten so leicht wie möglich machen, zu arbeiten.

Durch den KI-Einsatz entstandene freigewordene Ressourcen müsse man zunächst nutzen, um die mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossenen Kürzungen im ambulanten Bereich, wieder auszugleichen, erklärte Stachwitz. Die Praxen bräuchten für die Implementierung von KI allerdings eine Refinanzierung und entsprechende Unterstützung.

In der Apotheke steige zudem der Beratungsbedarf, betonte Preis. Entsprechend bräuchten Apothekerinnen und Apotheker dafür sowie für ausgeweitete Dienstleistungen wie Prävention oder Impfungen mehr Zeit.

Um KI besser in die Regelversorgung zu verankern, werden kurze, wirkungsvolle Testphasen von etwa sechs bis 12 Monaten benötigt, erläuterte Kai Swoboda, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der IKK Classic. Wenn die KI einen Nutzen bringe, dann müsse sie auch zügig in die Versorgung integriert werden.

Wichtig sei auch funktionierende Schnittstellen in bestehende Systeme, etwa in die Praxisverwaltungssysteme (PVS), zu schaffen, betonte Manuela Pintarelli-Rauschenbach, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV).

cmk

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