Ärzteschaft

Aktualisierte S3-Leitlinie zur Genitalsenkung erschienen

  • Dienstag, 7. Juli 2026
/vesalii, stock.adobe.com
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Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat eine aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau“ vorgestellt.

Der Descensus genitalis oder Genitalsenkung ist ein häufiges Krankheitsbild, das ein Tiefertreten von Blase, Rektum, Dünn- und/oder Dickdarm, Vagina oder Uterus bezeichnet.

Ein Genitaldeszensus ist häufig mit einer Belastungsinkontinenz assoziiert, also mit Urinverlust bei körperlicher Belastung wie Husten oder Heben. Der Deszensus kann aufgrund dieser und weiterer Begleitsymptome die Lebensqualität von betroffenen Frauen erheblich einschränken.

Die Leitlinienaktualisierung ergab Neuerungen zur Ergänzung und Bewertung neuer Operationstechniken sowie die Betrachtung neuer Fragestellungen und Themen. So setzte sich die aktualisierte Leitlinie erstmals auch mit der Therapie bei noch nicht abgeschlossener Familienplanung sowie mit primären, sekundären und tertiären Präventionsstrategien auseinander.

Die Diagnostik bei betroffenen Frauen umfasst nach Angaben der Leitliniengruppe neben einer Anamnese eine vaginale Untersuchung mit Spekulumeinstellung, einen Ultraschall des Beckenbodens, manchmal auch der Nieren sowie weitere bildgebende Verfahren.

Laut den Autorinnen und Autoren sollten für die Anamnese standardisierte oder validierte Fragebögen verwendet werden, die Blasen-, Darm-, Deszensus- und Sexualsymptome erfassen.

Zu den bildgebenden Untersuchungen zählen laut der Leitlinie der Nierenultraschall, der Introitus-, Perineal- und Beckenbodenultraschall, die Beurteilung der Blasensenkung und der Mobilität des Blasenhalses, die sogenannte Kolpozystorektografie, die Defäkografie und das dynamische MRT.

Zur konservativen Therapie gehören die Beobachtung und die Hormonersatztherapie, spezifisches Beckenbodentraining und die Pessartherapie.

Die Leitlinie informiert im Weiteren detailliert über die verschiedenen OP-Techniken und Methoden zur Behandlung des Descensus. Besonders wichtig ist laut der Leitlinie, Patientinnen über die Erkrankung und die möglichen Therapieoptionen aufzuklären.

„Die Aufklärung nimmt einen großen Teil der ärztlichen Aufgaben ein. Im Aufklärungsprozess sollen konservative und operative Therapieoptionen erläutert und gemeinsam mit der Patientin die für sie beste Behandlung unter Einbeziehung von Komorbiditäten sowie Wünschen und Zielen der Patientin eruiert werden“, erläuterte die Leitlinienkoordinatorin Kaven Baeßler, Zentrumsleiterin des Berliner Beckenbodenzentrums.
Auch Präventionsstrategien zur Vermeidung eines Descensus genitalis sind Gegenstand der Leitlinie. 

Neben der DGGG waren 12 weitere Organisationen an der Leitlinienerstellung beteiligt. Finanziell unterstützt wurde die Leitlinie durch das DGGG-Leitlinienprogramm.

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