Politik

Angst vor Atomunfall: Aachen bereitet Verteilung von Jodtabletten vor

  • Freitag, 10. Februar 2017

Aachen – Welche Reaktionszeit bleibt den Aachenern bei einem Atomunfall in Belgien? Wegen der Nähe zum Atomkraftwerk Tihange darf die Region vorab Jodtabletten ver­tei­len. Nach den Sommerferien startet die Aktion. Ende August oder Anfang September wer­de es einen öffentlichen Aufruf geben, online Bezugsscheine für Jodtabletten zu be­antragen, sagte der zuständige Aachener Beigeordnete Markus Kremer heute.

Die Region hatte beim Land Nordrhein-Westfalen auf eine Verteilung schon vor einem Ernstfall gedrungen und die Erlaubnis erhalten. In anderen Regionen des Landes wer­den die Tabletten in den Landkreisen gelagert und erst im Notfall ausgegeben. Aache­ner Zeitungen hatten zuerst über die Planung berichtet.

Menschen, die 45 Jahre und jünger sind, erhalten demnach Bezugsscheine, mit denen sie die Jodtabletten in Apotheken abholen könnten. Nach einer Empfehlung der Strah­len­schutzkommission ist bei älteren Menschen das Risiko von Nebenwirkungen durch Jodtabletten höher als das Risiko, später an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Die Verantwortlichen rechnen damit, dass etwa jeder Zweite davon Gebrauch macht. Für Menschen, die Jodtabletten erst bei einem Atomunfall abholen, sollen Verteilstellen in Wahl­lokalen eingerichtet werden. Die Regelung gilt für Stadt und Städteregion Aachen und für die Kreise Heinsberg, Düren und Euskirchen.

Das Land Nordrhein-Westfalen will nach früheren Angaben bei einem Atomunfall bis zu drei Millionen Haushalte mit Jodtabletten versorgen. Dafür hatte das Land zusätzlich zu den bereits eingelagerten neun Millionen weitere 21 Millionen Tabletten geordert. Mit der Aufstockung des Vorrats hatte das Land auch auf die Diskussion um die Sicherheit des belgischen Atomreaktors Tihange reagiert.

dpa

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