AOK-Chefin Teichert hält digitale Transformation und KI-Nutzung für notwendig

Berlin – Angesichts der bestehenden Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung brauche man die digitale Transformation, betonte gestern Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.
Dazu gehöre insbesondere die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI), sagte sie im Rahmen einer Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Wissenschaftlichen Beirats für digitale Transformation der AOK Nordost.
Teichert verwies unter anderem auf Verwaltungsaufgaben – deren Bewältigung durch die Begrenzung der Verwaltungsausgaben der Krankenkassen nicht leichter werde – sowie die Chance, durch KI aus den vorliegenden Daten zu lernen und so die Versorgung besser zu machen. Zum Thema Datennutzung und Versorgungsgestaltung sagte Teichert, es sei der Anspruch der Kassen, „proaktiver“ zu werden.
Es bestünden „riesige Chancen“ im Zusammenhang mit der Nutzung von KI, sagte Dirk Heckmann, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Beirats. Der vom Beirat erarbeitete Kompass KI im Gesundheitswesen 2026 fasse zahlreiche Perspektiven auf Chancen und Herausforderungen zusammen.
Ein Gesundheitswesen, das durch den intelligenten Einsatz von KI transformiert werde, reagiere nicht primär auf Krankheiten, sondern fördere und schütze proaktiv die Gesundheit der Menschen, so der Grundtenor des KI-Kompasses.
„Für den Patienten bedeutet dies eine neue Ära der personalisierten und präventiven Medizin“, heißt es im Kompass. KI-Systeme könnten kontinuierlich individuelle Gesundheitsdaten aus Wearables, genetischen Profilen und elektronischen Patientenakten analysieren, um Risiken für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder bestimmte Krebsarten frühzeitig zu identifizieren.
Statt einer pauschalen Vorsorge erhielte dann jeder personalisierte Empfehlungen für Lebensstilanpassungen, Ernährung und Früherkennungsuntersuchungen. „Im Krankheitsfall unterstützen KI-Assistenten bei der Diagnosefindung, schlagen auf Basis der weltweiten medizinischen Evidenz und der individuellen Patientendaten die bestmögliche Therapie vor und helfen dem Patienten, seine Behandlung aktiv zu managen und zu verstehen.“
Für Ärzte, Pflegepersonal und Therapeuten bedeute KI perspektivisch eine Befreiung von administrativer Last und eine Fokussierung auf ihre Kernkompetenzen. Die gewonnene Zeit könne in vertrauensvolle, empathische Gespräche und die gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten fließen.
Um KI-Nutzung strategisch in die Versorgungslandschaft einzubetten, seien unter anderem entsprechende finanzielle Investitionen, aber auch der Aufbau von Dateninfrastrukturen, die Aus- und Weiterbildung von Personal und eine Begleitforschung zur Evaluation der neuen Systeme erforderlich.
Zudem müssten rechtliche Rahmenbedingungen – etwa mit Blick auf das Haftungsrecht sowie Zulassungsverfahren – so weiterentwickelt werden, dass sie Innovationen ermöglichen, ohne die Patientensicherheit zu gefährden. Dies erfordere agile Prozesse, die mit der schnellen technologischen Entwicklung Schritt halten können.
Zum Hintergrund: Die AOK Nordost hat als eine der ersten Krankenkassen Ende 2016 zur Begleitung der digitalen Transformation einen Wissenschaftlichen Beirat gegründet. Der Beirat soll unparteiisch und kritisch zu Entwicklungen der digitalen Transformation beraten. Dabei geht es um ethische, rechtliche sowie technologische Fragen.
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