Digitalisierung im Gesundheitswesen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vorantreiben

Berlin – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet erhebliche Potenziale für mehr Ressourceneffizienz, Versorgungsqualität und Teilhabe. Dies zeigt eine heute vom BKK-Dachverband veröffentlichte Untersuchung zur Nachhaltigkeit durch Digitalisierung. Um entsprechende Effekte zu heben, müsse die Digitalisierung bedarfsorientiert und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vorangetrieben werden, hieß es.
„Das Potenzial ist riesig, aber nur, wenn man Digitalisierung und Nachhaltigkeit als zwei Seiten derselben Medaille betrachtet und gemeinsam gestaltet. Denn wo Digitalisierung draufsteht, ist nicht automatisch Nachhaltigkeit drin. Mehr Technik allein macht die Versorgung weder besser noch ressourcenschonender“, betonte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
Digitale Anwendungen verursachten einen Energie- und Ressourcenverbrauch und müssten daher verantwortungsvoll eingesetzt werden, so Klemm. Entscheidend sei nicht die Anzahl neuer digitaler Anwendungen, sondern ob diese einen messbaren Beitrag zu einer besseren Versorgung leisten und konkrete Mehrwerte für die Leistungserbringenden bieten würden.
In dem Report „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung im Gesundheitswesen“, der vom Berlin Institute of Health at Charité (BIH) im Auftrag des BKK-Dachverbands erarbeitet worden ist, werden mehrere Empfehlungen unterbreitet, wie diese Zielsetzungen erreicht werden können.
Grundsätzlich sollte demnach Versorgung weder rein analog noch rein digital gedacht werden. Laut dem BIH-Team sollten substitutionsstarke hybride Versorgungspfade, die nachhaltig digital wirken und analoge und digitale Versorgungsbausteine verbinden, priorisiert werden. Dieser Anspruch gelte über die gesamte Versorgungskette – von der Prävention über die bedarfsgerechte Versorgung bis zum gesunden Altern.
Eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige digitale Versorgung stelle die Vernetzung zwischen Leistungserbringenden, Kostenträgern, Patienten und Politik im Rahmen eines „Versorgungsökosystems“ dar. Damit dies gelinge, müssten Interoperabilität und Datenqualität nicht nur technisch, sondern auch vertraglich und steuernd verankert werden. „Die gesetzliche Krankenversicherung sollte beide Aspekte daher prioritär als Vertrags- und Steuerungsziele etablieren“, heißt es in der Untersuchung.
Zudem brauche man perspektivisch einen akzeptierten Maßstab, um Nachhaltigkeitsaussagen zu digitalen Angeboten verbindlich und vergleichbar treffen zu können. Deshalb sollte auf die Erarbeitung, Erprobung und Etablierung eines Kernsets tragfähiger Kennzahlen für eine nachhaltige Nutzenbewertung hingewirkt werden. Als ein wesentliches Nachhaltigkeitskriterium müsse umfassende digitale Teilhabe prioritär verankert werden.
Vom Studienteam wird darauf hingewiesen, dass nicht eine Technologie an sich nachhaltig ist, sondern ihre Einbettung in einen Versorgungspfad. Instrumente wie Telemedizin, elektronische Patientenakte (ePA), digitale Medizinprodukte und Künstliche Intelligenz (KI) könnten Mehrwerte liefern – aber auch Zusatznutzung, eine größere Dokumentationslast, Exklusion oder neue ökologische Lasten auslösen. Um letzteres auszuschließen, sollten betroffene Akteure frühzeitig bei der Ausgestaltung von Aspekten wie Indikation, Arbeitsablauf, Rückbindung, Teilhabe und Messbarkeit eingebunden werden.
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