Apotheken wollen Impfangebot stark ausbauen

Berlin – Die Zahl der Apotheken, die Impfungen anbieten, könnte sich schon bald verdoppeln. Das erklärte der Präsident der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA), Thomas Preis, heute in München.
Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) ist den Apotheken erlaubt worden, neben Impfungen gegen Grippe und COVID-19 auch Impfungen mit allen Totimpfstoffen, also beispielsweise Tetanus oder FSME, anzubieten.
In einer aktuellen Befragung des ABDA gaben 19 Prozent der Apotheken an, bereits zu impfen und diese neuen Impfungen künftig ebenfalls anbieten zu wollen. Weitere 18 Prozent der Apotheken erklärten, bisher nicht zu impfen, dies aber angesichts der neuen Möglichkeiten künftig tun zu wollen.
Die Zahl der impfenden Betriebe belaufe sich derzeit auf rund 3.000. „Diese Zahl wird sich verdoppeln und das ist eine gute Nachricht für Deutschland“, erklärte Preis. Damit würde langsam ein Rückstand zu anderen Ländern aufgeholt, in denen Impfungen in Apotheken seit vielen Jahren Normalität sei.
Demgegenüber hatten 40,4 Prozent der befragten Apotheken angegeben, nicht impfen zu wollen, da Aufwand und Ertrag für sie in keinem guten Verhältnis stünden. Weitere 16,4 Prozent gaben an, mangels Nachfrage darauf zu verzichten.
Mehr Potenzial als in Impfungen mit Totimpfstoffen sehen die Apotheken in pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) wie Präventionsberatungen, die das ApoVWG ebenfalls ermöglicht hat. 40 Prozent gaben an, diese anbieten zu wollen. „Apotheken können in Zukunft mehr für die Menschen leisten als sie im Moment dürfen“, unterstrich Preis. „Unsere Gesundheitsversorgung fängt bei Arzneimitteln an und wird weitergeführt durch weitere Gesundheitsdienstleitungen.“
So gehe er davon aus, dass viele Apotheken von den neuen Möglichkeiten zur Blutabnahme Gebrauch machen würden, beispielsweise um Vitamin-D-Tests anzubieten.
Die Apotheken müssten verbindlich und dauerhaft in die Primärversorgung eingebunden werden, die pDL als zukunftsweisende Kompetenz gelte es auszubauen. Dabei seien sie aber „keine Arztpraxis light“, betonte Preis. „Wir machen keine Ersteinschätzung wie es in Kliniken gemacht wird. Wir sind keine Ärzte.“
Apotheken würden sie keine ärztlichen Aufgaben übernehmen, könnten Patientinnen und Patienten aber im Rahmen assistierter Telemedizin durchaus sinnvolle Hilfestellung bei der Anwendung von Tools wie SmED leisten. „Apotheken können da gute Anleiter sein.“
Unzufrieden zeigten sich die Apotheken mit der Honorarerhöhung, die ihnen das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gewährt hat. Die hält sie für nicht ausreichend. Im Juli hatten die Apotheken zum ersten Mal sei 2013 eine Erhöhung des Packungsfixums erhalten. Es stieg von 8,35 Euro auf neun Euro und soll zum 1. Januar erneut auf dann 9,50 Euro angehoben werden.
Aus Sicht der Apotheken reicht das jedoch nicht aus, um die wirtschaftliche Schieflage der Branche zu beenden. Im aktuellen Apotheken-Klima-Index, einer jährlichen repräsentativen Branchenbefragung der ABDA, gaben nur 15 Prozent der befragten Apothekerinnen und Apotheker an, dass sich die Honorarerhöhung positiv auf den eigenen Betrieb auswirken werde.
Weitere 15 Prozent erklärten, dass sie kaum spürbare Effekte auf die eigene Bilanz erwarten. 28,6 Prozent antworteten hingegen, die schrittweise Honorarerhöhung sei nicht konsequent genug. Mit 39,4 Prozent entfiel der größte Teil Antworten auf die Haltung, dass die Erhöhung ohne eine nachhaltige Dynamisierung des Honorars „wertlos“ sei.
Die in zwei Schritten vorgenommene Anpassung des Honorars werde der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Apotheken nicht gerecht und werde die Verringerung der Apothekenzahl im Land nicht unmittelbar beenden, erklärte auch Preis heute im Vorfeld des Deutschen Apothekertags (DAT) in München. „Das Apothekensterben ist nicht beendet worden“, sagte er. „Wir werden uns weiter damit auseinandersetzen müssen, dass die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln ausdünnt.“
Ab 2028 soll das Apothekenhonorar dann, wie bei der Ärzteschaft, jährlich mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) verhandelt werden. Viele Apotheken hätten „angesichts der Übermacht der Krankenkassen“ die Angst, dass es dann zu keinen angemessenen Honorarsteigerungen mehr kommen werde. Zudem werde die Erhöhung des Kassenabschlags – von momentan 1,77 Euro auf 2,07 zum ersten Januar 2027 – die geplante Stärkung der Apothekenfinanzen konterkarieren.
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