Ärzte drängen auf Abschaffung der Regresse bei Impfstoffen

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Kassenärztliche Vereinigungen und auch die Hausärzte drängen darauf, Regresse im Zusammenhang mit Influenzaimpfungen abzuschaffen. Hintergrund sind bestehende Bestellregelungen.
Arztpraxen müssen aufgrund der langen Produktionsdauer ihren Bedarf an saisonalen Influenzaimpfstoffen bereits Anfang des Jahres für die kommende Influenzasaison vorbestellen. Grund ist, dass die Produktion der saisonalen Grippeimpfstoffe mindestens vier bis sechs Monate dauert. Sie werden weltweit in abgeschlossenen Produktionskampagnen für jeweils eine Saison hergestellt. Eine Nachproduktion ist daher nicht möglich.
Der genaue Verlauf einer Grippesaison und welche Nachfrage bei Patienten im Herbst und Winter dann tatsächlich besteht, ist zum Zeitpunkt der Bestellung für die Ärzteschaft nicht absehbar. Wegen des Regressrisikos richten sich die Praxen bei ihren Bestellungen nach Aussagen der KBV nach dem Impfstoffverbrauch der vergangenen Saison und kalkulieren nur geringe Reserven ein.
Die KBV meldet den Bedarf an saisonalen Grippeimpfstoffen auf Grundlage der durch die Vertragsärzte geplanten Bestellungen an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), ebenso die Apothekenorganisationen. Das PEI prüft diesen übermittelten Bedarf unter Berücksichtigung einer zusätzlichen Reserve von zehn Prozent. Auf Grundlage dieser Daten kalkulieren die Hersteller, welche Mengen sie für Deutschland produzieren und beim PEI zur Freigabe einreichen.
„Die Praxen impfen jährlich millionenfach gegen Grippe und sind erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten“, sagte Sibylle Steiner aus dem Vorstand der KBV. Trotzdem drohe ihnen ein Prüfverfahren mitsamt Regress, wenn die bestellte Impfstoffmenge über der verbrauchten Menge liege.
„Die Steigerung der Durchimpfungsrate der Bevölkerung ist politisches Ziel und medizinisch sinnvoll“, betonte Steiner. Aktuelle Engpässe bei den saisonalen Grippeimpfstoffen machten allerdings deutlich, dass die bestehenden Rahmenbedingungen nicht geeignet seien, dieses Ziel zu erreichen. „Um eine Erhöhung der Impfquoten zu erreichen, muss endlich das Impfhindernis ‚Regress’ verschwinden“, lautet die Forderung der KBV.
Nach Angaben des stellvertretenden KBV-Vorstandsvorsitzenden, Stephan Hofmeister, verschärft die Ausweitung des Impfangebots in Apotheken das Problem weiter, weil sich dadurch noch schwerer abschätzen lasse, welche Mengen in den Praxen benötigt würden.
Aus der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV Hessen) hieß es, die Ärzte könnten nur die Impfstoffe verimpfen, die sie bestellen könnten oder die verfügbar seien. Armin Beck, stellvertretender Vorstandsvorsitzende der KV Hessen, wies auch darauf hin, dass ausreichend Impfstoff bereit stehen müsse, damit die Ärzte die Vorhaltepauschale ohne Abzug erhielten. Bund, Kostenträger und Industrie seien aufgefordert für eine stabile und funktionierende Lieferkette zu sorgen.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) waren in der vergangenen Grippesaison 2024/25 in Deutschland 34,5 Prozent der Personen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Das ist laut RKI der niedrigste Wert seit der Saison 2008/09. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Quote von 75 Prozent.
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