Arthrose: Placebo in Studie wirksamer als Nahrungsergänzungsmittel

Madrid – Eine doppelblinde Phase-3-Studie, die die Schutzwirkung eines Nahrungsergänzungsmittels mit Glucosamin und Chondroitin belegen sollte, kam in Arthritis & Rheumatology (2017; 69: 77-85) zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Placebos besser wirkten.
Die spanische Firma Tedec Meiji Farma ist wie viele andere Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln davon überzeugt, dass ihr Präparat die Gelenkfunktion von Patienten mit Osteoarthritis (Arthrose) langfristig verbessern kann. Anders als die meisten anderen Anbieter war die Madrider Firma bereit, eine klinische Studie zu finanzieren, um die Wirksamkeit ihres Produktes zu belegen.
In einer Doppelblindstudie wurden 164 Patienten mit einer radiologisch belegten Arthrose (Kellgren-Lawrence-Score 2 oder 3) mit mäßigen bis mittelstarken Schmerzen (Intensität 40 bis 80 mm von 100 mm auf einer visuellen Analogskala, VAS) auf eine Behandlung mit 1200 mg Chondroitinsulfat plus 1500 mg Glucosaminsulfat oder Placebo randomisiert.
Geplant war eine Behandlungsdauer von zwölf Monaten. Doch die Studie wurde nach sechs Monaten vorzeitig abgebrochen. Eine Zwischenauswertung hatte ergeben, dass die Wirkung des Nahrungsergänzungsmittels minimal war. Auf der VAS kam es nur zu einer Verbesserung um 2,4 mm oder 19 Prozent. In der Placebogruppe kam es dagegen zu einer Verbesserung um 20,5 mm oder 33 Prozent. Der Unterschied war signifikant und erklärungsbedürftig.
Studienleiter Jorge Roman-Blas von der Universidad Autónoma de Madrid vermutet, dass die gastrointestinalen Nebenwirkungen der Chondroitin/Glucosamin-Kombination dazu geführt haben, dass die Patienten die Schmerzen in den Knien subjektiv schlimmer einschätzten als die Teilnehmer in der Placebogruppe. Die Nahrungsergänzungsmittel können zu Diarrhö, Bauchschmerzen und Obstipation führen.
Einige Teilnehmer brachen die Studie deshalb sogar ab. Wurden die Studienabbrecher und die Patienten, die die Mittel nicht regelmäßig eingenommen hatten, aus der Wertung herausgenommen, waren die Schmerzangaben in beiden Gruppen gleich ausgefallen. In einigen sekundären Endpunkten wie dem WOMAC-Indec oder der OMERACT-OARSI-Response hatte es keine Unterschiede gegeben.
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