Ärzteschaft

Auswertung zeigt Vorteile der Hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg

  • Donnerstag, 22. Januar 2026
/auremar, stockadobecom
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Stuttgart/Frankfurt/Heidelberg – Vorteile der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg gegenüber der Regelversorgung zeigt eine neue Auswertung der Goethe-Universität Frankfurt und des Universitätsklinikums Heidelberg.

Danach gab es im Jahr 2022 bei den in die HZV eingeschriebenen Versicherten der AOK Baden-Württemberg 3,1 Millionen Hausarztkontakte mehr und 1,36 Millionen weniger unkoordinierte Facharztbesuche ohne Überweisung. In dem Jahr gab es zudem in der HZV-Gruppe 24.000 mehr Influenzaimpfungen und rund 7.500 weniger Verordnungen potenziell ungeeigneter Medikamente für ältere Menschen ab 65 Jahren.

Hochrechnungen von 2011 bis 2022 zeigten zudem, dass bei 119.000 Menschen mit Diabetes mehr als 9.200 schwerwiegende Komplikationen vermieden werden konnten, darunter rund 700 Amputationen sowie zirka 4.800 Herzinfarkte und Schlaganfälle.

„Die Evaluationsdaten zeigen einmal mehr, dass die HZV qualitativ hochwertiger als auch wirtschaftlicher ist und zugleich die zentrale Rolle der Hausarztpraxis nachhaltig stärkt“, erklärte der Vorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg, das sind Susanne Bublitz und Nicola Buhlinger-Göpfarth.

Die effektive Steuerung der HZV wirke sich auch positiv auf die Inanspruchnahme der Bereitschafts- und Notdienste aus – das zeige sich in der äußerst vulnerablen Gruppe der Personen mit Herzinsuffizienz. Im Jahr 2022 konnten in dieser HZV-Gruppe mit 110.200 Patienten im Vergleich zur Regelversorgung gut 3.500 stationäre Notaufnahmen, rund 16.900 Rettungsdiensteinsätze und 3.200 Behandlungen im ambulanten Bereitschaftsdienst vermieden werden.

Rund 5.900 HZV-Ärztinnen und -Ärzte betreuen in Baden-Württemberg mehr als zwei Millionen freiwillig in die HZV eingeschriebene AOK-Versicherte. „Diesen nachweislichen Qualitätsvorsprung in der Versorgung halten wir seit 17 Jahren, und wir werden diesen Weg weiter fortsetzen“, sagte Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Besonders ältere und chronisch kranke Menschen, die über 60 Prozent der HZV-Teilnehmenden ausmachten, profitierten davon.

Die Vertragspartner weisen daraufhin, dass Baden-Württemberg mit der HZV faktisch ein Primärversorgungsmodell etabliert habe. Das in der gesundheitspolitischen Diskussion stehende bundesweit angedachte Modell könne auf diesen Erfahrungen aufbauen. 

Bublitz und Buhlinger-Göpfarth weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Teampraxis-Konzept „HÄPPI“ die Hausarztpraxen leistungsfähiger mache. HÄPPI setze auf Digitalisierung und auf die Versorgung im Team, in dem Hausärzte unter anderem von Medizinischen Fachangestellten und von akademisierten nichtärztlichen Gesundheitsberufen wie Physician Assistants unterstützt würden.

„Unsere Hausarzt- und Facharztverträge sind und bleiben eindeutig die bessere Alternative zur Regelversorgung. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist nach wie vor die Steuerung der Patientenversorgung“, betonte Norbert Smetak, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland.

hil

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