Ärzteschaft

BÄK-Präsident regt Vergütung für Ärzte an, die Digitalisie­rungsprojekte erproben

  • Montag, 7. Februar 2022
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) /Jürgen Gebhardt
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) /Jürgen Gebhardt

Berlin – Pilotpraxen und Krankenhausärzte, die einen Teil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, Digitalisie­rungs­projekte im Gesundheitswesen zu erproben, sollten dafür eine Vergütung erhalten. Diese sollte der Arbeits­zeit entsprechen, die die Testärzte für die Erprobung der Anwendungen aufwenden.

Das schlägt der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, in der neuen Folge des BÄK-Pod­casts „Sprechende Medizin“ vor. Ärzte in Klinik und Praxen seien so stark in die Patientenversorgung ein­gebunden, dass sie die Erprobung nicht zusätzlich zu ihrer üblichen Versorgung leisten könnten, betonte Reinhardt.

Der BÄK-Präsident kritisierte in der Podcastfolge mit dem Titel „Digital der Tränen“ die politische Strate­gie für die Einführung von digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen in Deutschland: Zwar sei es richtig, viele Leistungserbringen an einem Tisch zu versammeln, um die Anforderungen der Digitalan­wendungen zu bestimmen. Für die technische Umsetzung wäre aber laut Reinhardt vermutlich eine vorgegebene staatliche Lösung wie etwa in Estland effektiver.

Reinhardt kritisierte in diesem Zusammenhang, die technische Umsetzung der elektronischen Patienten­akte und anderer Anwendungen in Deutschland kranke auch an einem „Über-Engineering“. Es herrsche der Glaube vor, alle Sonderfälle und Eventualitäten müssten von vornherein bereits im System geregelt sein. Besser wäre es laut dem BÄK-Präsidenten, einfachere funktionierende Lösungen aufzusetzen und diese schrittweise zu erweitern.

Der Rückstand Deutschlands bei Digitalisierung werde auch bei den fehlenden Daten zur Coronapan­demie deutlich, so Reinhardt – etwa bei Echtzeitdaten zur Hospitalisierung, zur Verteilung von Corona­patienten auf Normal- und Intensivstationen und anderem. Diese Daten fehlten jetzt für rasche und an­ge­messene politische Entscheidungen, kritisierte der BÄK-Präsident.

Zwar sei es verständlich, dass in der Dynamik der Pandemie Fragen zur Datenerfassung und -weitergabe nicht im Zentrum der Überlegungen stünden. „Aber sie wurden auch nicht diskutiert oder auf den Weg gebracht“, kritisierte er.

hil

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