BÄK-Präsident regt Vergütung für Ärzte an, die Digitalisierungsprojekte erproben

Berlin – Pilotpraxen und Krankenhausärzte, die einen Teil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen zu erproben, sollten dafür eine Vergütung erhalten. Diese sollte der Arbeitszeit entsprechen, die die Testärzte für die Erprobung der Anwendungen aufwenden.
Das schlägt der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, in der neuen Folge des BÄK-Podcasts „Sprechende Medizin“ vor. Ärzte in Klinik und Praxen seien so stark in die Patientenversorgung eingebunden, dass sie die Erprobung nicht zusätzlich zu ihrer üblichen Versorgung leisten könnten, betonte Reinhardt.
Der BÄK-Präsident kritisierte in der Podcastfolge mit dem Titel „Digital der Tränen“ die politische Strategie für die Einführung von digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen in Deutschland: Zwar sei es richtig, viele Leistungserbringen an einem Tisch zu versammeln, um die Anforderungen der Digitalanwendungen zu bestimmen. Für die technische Umsetzung wäre aber laut Reinhardt vermutlich eine vorgegebene staatliche Lösung wie etwa in Estland effektiver.
Reinhardt kritisierte in diesem Zusammenhang, die technische Umsetzung der elektronischen Patientenakte und anderer Anwendungen in Deutschland kranke auch an einem „Über-Engineering“. Es herrsche der Glaube vor, alle Sonderfälle und Eventualitäten müssten von vornherein bereits im System geregelt sein. Besser wäre es laut dem BÄK-Präsidenten, einfachere funktionierende Lösungen aufzusetzen und diese schrittweise zu erweitern.
Der Rückstand Deutschlands bei Digitalisierung werde auch bei den fehlenden Daten zur Coronapandemie deutlich, so Reinhardt – etwa bei Echtzeitdaten zur Hospitalisierung, zur Verteilung von Coronapatienten auf Normal- und Intensivstationen und anderem. Diese Daten fehlten jetzt für rasche und angemessene politische Entscheidungen, kritisierte der BÄK-Präsident.
Zwar sei es verständlich, dass in der Dynamik der Pandemie Fragen zur Datenerfassung und -weitergabe nicht im Zentrum der Überlegungen stünden. „Aber sie wurden auch nicht diskutiert oder auf den Weg gebracht“, kritisierte er.
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