Politik

Bayerische Homöopathie-Studie entfacht erneut Streit

  • Mittwoch, 19. August 2026
/picture alliance, SZ Photo, Wolfgang Filser
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Berlin – Eine Studie der Technischen Universität (TU) München zur Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel sorgt für politischen Streit in Bayern. Der Landtag hatte sie 2019 mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und Teilen der Grünen in Auftrag gegeben und rund 640.000 Euro dafür bereitgestellt. Die SPD sieht darin eine Verschwendung von Steuermitteln.

„Die Studie konnte […] keine Belege erbringen, dass die prophylaktische Gabe von homöopathischen Arzneimitteln der Gabe eines Placebos überlegen war“, lautet das Urteil im Abschlussbericht von Gesundheits-Staatsministerin Judith Gerlach (CSU) an den Bayerischen Landtag.

Zeitgleich konnte nicht festgestellt werden, dass der Einsatz homöopathischer Arzneimittel in der leitliniengerechten Therapie ein erhöhtes Risiko für die Patientinnen darstellen würde. Im Ergebnis hielt Studienleiter Lutz Renders fest, dass vor allem strukturierte Betreuungsprogramme wie „Antibiotic Stewardships“ helfen könnten, unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden.

Aus dem Abschlussbericht geht weiter hervor, dass trotz diverser Werbemaßnahmen nur 40 Probandinnen rekrutiert werden konnten. Bis zum Ende der Studie blieben hiervon zudem nur 22 Frauen übrig. Im ursprünglichen Studiendesign waren 240 Teilnehmerinnen vorgesehen gewesen.

Die Studienergebnisse seien vor dem Hintergrund dieser niedrigen Fallzahl und der dadurch bedingten geringeren statistischen Evidenz zu betrachten, räumte Gerlach in ihrem Abschlussbericht an den Landtag ein.

Als „teure Nullnummer der Staatsregierung“, bezeichnete Ruth Waldmann (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege des Bayerischen Landtags deshalb die Ergebnisse. „Sowohl methodisch als auch mit Blick auf statistische Relevanz“, sei die Untersuchung „ziemlich kläglich“ abgelaufen, befindet die SPD-Politikerin. Zu dem Fazit, dass „Antibiotic Stewardships“ zur Vermeidung unnötiger Antibiotikagabe beitragen, hätte man auch mit „mit weniger Aufwand und Geld“ kommen können.

Bernhard Seidenath von der CSU bezeichnete Waldmanns Kritik im Bayerischen Rundfunk (BR) als „besserwisserische Attitüde“. Die Äußerungen der SPD-Politikerin seien ein „Schlag ins Gesicht der Menschen, die auf Homöopathie schwören“. Auch Susann Enders von den Freien Wählern verteidigte die Studie im BR damit, dass Wissenschaft auch kontroverse Ansätze untersuchen und es „keine Denkverbote“ geben dürfe.

Bereits vor Beginn der Studie war kritisiert worden, dass wissenschaftliche Belege den Einsatz von homöopathischen Arzneimitteln nicht unterstützten. Stephan Sieber von der TU Mün­chen erklärte damals: „Ich bin überrascht, dass die Studie in Auftrag gegeben wird und weiß nicht, welchen Mehrwert das bringen soll.“ Des Weiteren betonte er, dass es in der Wissenschaft keine Belege dafür gebe, das Homöopathie wirke.

Ruth Waldmann hinterfragt zudem, warum die Ethikkommission der TU München der Studie trotz der wissenschaftlichen Zweifel zustimmte. Auf die Kritik reagierte die TU München im BR mit dem Verweis, dass sie lediglich prüfe, „ob klinische Studien die Sicherheit von Teilnehmerinnen und Teilnehmern wahren und ob die Methodik der Studien voraussichtlich zu einem wissenschaftlich belastbaren Ergebnis führt.“

Wie die Landesregierung nun auf Waldmanns Anfrage erklärte, wurden knapp 100.000 Euro allein für die Herstellung der Präparate innerhalb der Studie ausgegeben. Davon wurde der Großteil mit rund 68.000 Euro aus Haushaltsmitteln des Freistaates bereitgestellt. Die Ausgaben für beteiligte Ärzte haben sich demnach bis September 2024 auf rund 95.000 Euro belaufen.

Die Werbemaßnahmen für die Studie wurden wiederum durch Eigenmittel der TU München bezahlt. Den genauen Betrag und die Herkunft dieser Eigenmittel konnte die Bayerische Staatsregierung nicht nennen. Sie wies aber Behauptungen zurück, die Studie sei gescheitert. Wissenschaftliche Studien seien a priori ergebnisoffen.

Unter dem Titel „Individualisierte homöopathische Behandlung zur Reduktion des Antibiotikabedarfs bei Patientinnen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten“ (iHOM-Studie) war die Studie 2019 beschlossen worden. Im Rahmen eines größeren Maßnahmenpaketes ging es darum herauszufinden, wie im Rahmen der Resistenzbekämpfung die Gabe von Antibiotika verringert werden kann.

Beauftragt wurde die TU München mit dem konkreten Ziel die Effektivität einer prophylaktischen homöopathischen Behandlung im Vergleich zur Gabe eines Placebos zu untersuchen. Zudem sollte die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung im Vergleich zum Placebo in Bezug auf die Gesamtzahl der rezidivierenden, unkomplizierten Harnwegsinfektionen (HWI) bewertet werden, unabhängig von der verabreichten Behandlung.

Für den Studienzeitraum vom Anfang Januar 2021 bis zum Ende September 2025 führte sie eine prospektive, doppelt-blinde, randomisierte placebokontrollierte, monozentrische klinische Prüfung durch. Dafür wurden Frauen mit wiederkehrenden, unkomplizierten HWI im Alter von 18 bis 65 Jahren als Probandinnen gesucht. Weitere Studien zum Einsatz homöopathischer Präparate in der Humanmedizin sind der Bayerischen Staatsregierung zufolge nicht geplant.

nis

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