Befragung zeigt Stagnation der Pharmaforschung in Deutschland

Berlin – Trotz der gesetzgeberischen Maßnahmen der vergangenen Jahre stagniert die pharmazeutische Forschung und Entwicklung (F&E) in Deutschland. Zu diesem Ergebnis ist eine aktuelle Auswertung im Auftrag von Fraunhofer Gesundheit und dem Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) gelangt.
Die Trendwende, die Initiativen wie das Medizinforschungsgesetz (MFG) bringen sollten, ist der Beratungsagentur Vintura zufolge bisher ausgeblieben. Das Unternehmen hatte 71 Fachleute auf öffentlichen wie privaten Institutionen und Unternehmen befragt und so zum dritten Mal seit 2024 eruiert, wie attraktiv der Forschungsstandort Deutschland für die Pharmaindustrie ist.
Demnach stagniert der Standort auf mittlerem Niveau. Erste Maßnahmen würden zwar wirken, allerdings nicht zur erhofften Aufholjagd auf internationale Spitzenstandorte führen. In der Folge sei die Einschätzung der Attraktivität des Standort durch die Befragten das zweite Jahr in Folge leicht gesunken. Betrug sie vor zwei Jahren noch 6,03 von 10 möglichen Punkten, waren es in diesem Jahr nur noch 5,65.
Die Probleme bleiben den Befragten zufolge weiterhin unverändert: Deutschland sei zwar ein hervorragender Standort in der Grundlagenforschung, habe aber große Defizite in der Translation.
So hätten sich zentrale Indikatoren wie die Zahl klinischer Studien, die die Industrie veranlasst hat, oder der deutsche Anteil am globalen Recruiting von Patientinnen und Patienten für Studien im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Um 19 Tage verkürzt habe sich immerhin die Zeit bis zur Erteilung von Studiengenehmigungen.
Demgegenüber habe sich von 2023 auf 2025 die Zahl der Arzneimittel, die von der US-Zulassungsbehörde FDA als besonders relevant für die Versorgung eingestuft wurden, in der Europäischen Union (EU) aber aktuell nicht zugelassen sind, sogar von 36 auf 41 erhöht.
Zwar werde „viel in kluge Köpfe und exzellente Forschung“ investiert, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Fraunhofer-Verbunds Gesundheit, Ulrike Köhl. „Aber dann würgen Bürokratie, Finanzierungslücken und Kleinstaaterei den Wertschöpfungsmotor ab.“
Durchgestartet wird aus ihrer Sicht in anderen Ländern. Daher brauche man eine Transformation vom Erkenntnisstandort zum Wertschöpfungsstandort, um internationale Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität zu erhalten und rückzugewinnen.
Notwendig sei eine höhere Geschwindigkeit bei Antragsverfahren, gezielte Förderung von Entwicklungen in fortgeschrittenen Entwicklungsstadien und strategische Fokussierung auf Schlüsseltechnologien, sagte sie.
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