Politik

Biosimilar-Verband sieht mögliche zweistellige Milliardeneinsparungen für GKV

  • Freitag, 16. Oktober 2026
/cassis, stock.adobe.com
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Berlin – Der in den kommenden Jahren stark wachsende Markt für Biosimilars könnte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bis 2035 Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe ermöglichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Unternehmens Prognos im Auftrag des Verbands Pro Biosimilars.

Bereits heute sind dem Verband zufolge zwölf der 25 ausgabenstärksten Arzneimittel in Deutschland biologisch. Darunter schlagen Pembrolizumab mit 1,24 Milliarden Euro, Adalimumab mit 900 Millionen und Ustekinumab mit 700 Millionen Euro in der GKV zu Buche.

Ab 2028 beginne dann im Markt für Biopharmazeutika „eine Patentablaufwelle historischen Ausmaßes“, erklärte Verbandschef Christoph Kirsch gestern in Berlin. In den kommenden zehn Jahren würden so viele biologische Arzneimittel aus dem Patentschutz fallen wie noch nie zuvor – mit entsprechendem Potenzial für Biosimilar-Hersteller.

Der Verband habe Prognos deshalb beauftragt, dieses Potenzial im Lichte unterschiedlicher regulatorischer Szenarien zu eruieren. Das Forschungsunternehmen berechnete dazu ein Wachstum der Gesamtarzneimittelausgaben in der GKV von 58,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf rund 89 Milliarden Euro im Jahr 2035.

In diesem Zeitraum werde das Ausgabenvolumen, das Biologika zugerechnet werden kann, von rund 19,3 auf 38,2 Milliarden Euro anwachsen. Der durch Patentabläufe für Biosimilars zugängliche Marktanteil werde sich in dieser Zeit von rund 5,8 auf rund 15,3 Milliarden Euro beinahe verdreifachen.

Einsparungen hängen von Regularien ab

Allerdings hänge es von der regulatorischen Ausgestaltung, insbesondere dem Rabattvertragssystem der Krankenkassen, ab, wie groß der Anteil dieses Marktes ist, der für Biosimilars zugänglich ist.

Hier habe Prognos unter Einbeziehung der vier Parameter Marktverfügbarkeit, Marktdurchdringung, Markteinführungsverzögerungen und Preiseffekte drei Szenarien und deren jeweiliges Einsparpotenzial für die GKV berechnet, erklärte Prognos-Projektleiter Markus Hoch.

Demnach summieren sich die Einsparungen für die GKV im Zeitraum zwischen 2025 und 2035 im niedrigsten Szenario auf drei Milliarden Euro, im Referenzszenario auf rund 13,4 und im höchsten Szenario auf rund 41,3 Milliarden Euro.

„Das wichtigste Ergebnis der Studie ist meiner Meinung nach die Bandbreite dieser Szenarien“, sagte Hoch. Die Spanne von mehr als 38 Milliarden Euro zeige, wie stark das Ergebnis von den Wettbewerbsbedingungen abhängig ist. „Bei diesen Dimensionen ist das kein Nischenthema der Biosimilarbranche mehr“, betonte auch Kirsch.

Die Ergebnisse verdeutlichen laut Prognos die entscheidende Bedeutung von Rahmenbedingungen, die den Markteintritt mehrerer Anbieter ermöglichen und einen nachhaltigen Wettbewerb unterstützen. Dabei sei eine kurzfristige Abschöpfung von Preisnachlässen durch Rabattverträge mit dem längerfristigen Ziel abzuwägen, mehrere Anbieter im Markt zu halten und so Angebotsstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Dafür erhielten die Branchenvertreter Zustimmung aus der Politik. Man dürfe es mit den Einsparungen in der Pharmaindustrie nicht übertreiben, da die Antwort ansonsten ausbleibende Investitionen seien, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundesgesundheitsausschusses, Stephan Pilsinger (CSU). „Wenn wir wollen, dass Innovationen bei den Patienten ankommen, müssen wir marktwirtschaftliche Lösungen finden.“ Im politischen Berlin sei das noch nicht überall angekommen.

Zuletzt hatte es gute Nachrichten für die Branche gegeben: Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sind exklusive Rabattverträge für Biosimilars für zwei Jahre ausgesetzt worden. Pilsinger warnte nun, dass das Thema aber noch nicht vom Tisch sei. „Wir werden Wege finden müssen, das zu verhindern.“

Thomas Müller, Leiter der Leiter der Abteilung Arzneimittel, Medizinprodukte und Biotechnologie im Bundesgesundheitsministerium (BMG), wandte demgegenüber ein, dass regulatorische Instrumente je nach Marktkonstellation angewandt werden müssten. Exklusive Rabattverträge könnten demnach durchaus möglich sein, wenn es sich um umsatzstarke Produkte mit mehreren Anbietern im Markt handele.

„Es gibt Situationen, in denen ein exklusiver Rabattvertrag ein geeignetes Instrument ist, um eine maximale Wirtschaftlichkeit zu ermöglichen“, sagte er. Wenn es nur wenige Anbieter gebe, seien hingegen Open-House-Verträge zu bevorzugen.

Kirsch wiederum warnte, dass man bei Biosimilars nicht die gleichen Fehler machen dürfe wie im Generikamarkt, wo ein überzogener Preisdruck zur Verlagerung der Produktion nach Indien und China – und damit zu einer erheblichen Abhängigkeit von diesen Ländern – geführt habe. Versorgungssicherheit sei ein Thema der Resilienz des Gesundheitswesens.

„Geostrategische Resilienz ist als Thema angekommen – trotzdem existieren Biosimilars, um einen Preiswettbewerb zu ermöglichen“, erwiderte Müller. Der Aspekt der Wirtschaftlichkeit dürfe nicht unter Verweis auf Resilienz und Versorgungssicherheit verwischt werden.

Es gehe nicht um eine komplette Rückverlagerung der Produktion nach Europa – das sei ohnehin unrealistisch. Vielmehr müsse eine Diversifizierung der Anbieter das Ziel sein, um sich nicht von zu wenigen Akteuren abhängig zu machen. „Wir dürfen nicht sagen, das Generika-Beispiel ging schief und deshalb machen wir jetzt alles anders.“

lau

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