Brandenburg: Ärzteverbände freuen sich über Wilke, mahnen aber Veränderungen an

Potsdam – Brandenburger Ärzteverbände haben den Wechsel des bisherigen Innenministers René Wilke (SPD) in das Potsdamer Gesundheitsministerium begrüßt.
Der frühere Linken-Abgeordnete Wilke, der bis Mai 2025 parteiloser Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) war, wurde von Ministerpräsident Dietmar Woidke nach dem Rücktritt von Innenministerin Katrin Lange überraschend ins Ministerium geholt. Nach dem Zerbrechen der SPD-BSW-Koalition und dem Ausscheiden von Britta Müller (parteilos, einst BSW) soll er das um die Bereiche Arbeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt ergänzte Ministerium für Gesundheit und Soziales (MGS) leiten. Auch die Brandenburger Ausländerbehörde soll künftig Teil seines Ressorts werden.
„Die Bündelung von Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt in einem neuen ‚Superressort‘ ist eine mutige politische Entscheidung“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), die Lübbenauer Urologin Catrin Steiniger, dem Deutschen Ärzteblatt.
Für die ambulante Versorgung in Brandenburg sei dieses Signal aber zweischneidig. „Einerseits erhält das Thema Gesundheit durch die direkte Verknüpfung mit Sozial- und Arbeitsmarktfragen ein massives politisches Gewicht am Kabinettstisch“, sagte Steiniger. Das sei notwendig, denn die Sicherstellung der medizinischen Versorgung sei das Fundament für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land. „Andererseits darf die Komplexität eines solchen Riesenressorts nicht dazu führen, dass die spezifischen Herausforderungen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeuten in der Verwaltungsstruktur untergehen.“
Brandenburg leide unter einem massiven Nachwuchsmangel in der Fläche. „Wir brauchen einen Gesundheitsminister, der sich mit voller Kraft für entbürokratisierte und attraktive Rahmenbedingungen in den Praxen einsetzt“, so Steiniger. Dazu böten die Kassenärzte Wilke eine „konstruktive Partnerschaft“ an.
Die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Brandenburg (HÄV), Katharina Weinert, begrüßte die Benennung Wilkes heute ebenfalls ausdrücklich. Er sei ein „profilierter Pragmatiker“. Speziell in einem Flächenland wie Brandenburg sei eine flächendeckende hausärztliche Versorgung unverzichtbar.
Ziel müsse es sein, Patienten wohnortnah zu versorgen und sie bei Bedarf gezielt in die spezialisierte Facharztebene oder in stationäre Einrichtungen zu steuern. „Das Primärarztsystem, in dem die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle fungiert, ist das richtige Instrument, um die knappen und wertvollen medizinischen Ressourcen effizient zu lenken“, so Weinert weiter.
Gleichzeitig mahnte der Verband dringende Verbesserungen der Rahmenbedingungen an. Zwar sei Brandenburg bei der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses auf einem guten Weg, doch dieser müsse durch strukturelle Erleichterungen flankiert werden. „Wir müssen die Niederlassung wieder attraktiv gestalten“, so Weinert. „Das gelingt nur durch einen konsequenten Bürokratieabbau, Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung und eine leistungsgerechte Vergütung.“ Die Niederlassung dürfe kein wirtschaftliches Wagnis sein.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: