Politik

Brandenburger Landtag: Experten wollen bessere Strukturen für ME/CFS-Patienten

  • Mittwoch, 14. Januar 2026
/fizkes, stock.adobe.com
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Potsdam – Einen stärkeren Ausbau von Versorgungsstrukturen für Patienten mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) haben Fachleute bei einer Anhörung im Brandenburger Landtag gefordert.

„Wir erleben seit einigen Jahren eine zunehmende Anzahl von Menschen, die im Rahmen von postinfektiösen Erkrankungen relevante Einschränkungen haben“, sagte der Leiter des Berliner Zentrums für postinfektiöse Multisystem-Erkrankungen (ZPIMS), Diego Schmidt.

Das habe erhebliche Auswirkungen auf Gesundheitssysteme. Auch vor der Coronapandemie seien solche Erkrankungen schon bekannt gewesen: Nach Influenza-Erkrankungen oder nach Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus wären schwere Erschöpfungszustände aufgetreten.

„Das Krankheitsprinzip ist die Systemüberlastung auf Basis individueller Auslöser“, sagte Schmidt. „Was neu ist, ist seine Häufigkeit, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Relevanz.“ Der typische Fall sei aus Sicht von Schmidt die „junge mittelalterliche Person, weiblich, stark eingebunden, leistungsfähig und resilient“, die plötzlich ihre systemische Belastbarkeit und körperliche Leistungsfähigkeit verliere.

Das Medizinsystem sei nicht darauf eingestellt, mit komplexen Krankheitsbildern klar zu kommen. „Wir sind zu sehr in Fachrichtungen untergliedert und gucken organspezifisch“, sagte Schmidt. „Wir haben hier ein Problem in der Versorgungslogik: Die Fachrichtungen müssen vernetzt arbeiten.“

Die stellvertretende Vorsitzende des Brandenburger Direna-Netzwerks, die Potsdamer Chefärztin Gesine Dörr, berichtete davon, dass es in Brandenburg mittlerweile fünf Spezialambulanzen für die Diagnostik von Long COVID und Post Vac gebe. Zudem hätten sich viele niedergelassene Ärzte auf diese Erkrankung spezialisiert.

„Es ist unsere wichtigste Aufgabe, Versorgungsstrukturen zu schaffen.“ Wichtig sei es, die Hausärzte mit ins Boot zu holen: „Wir machen Podcasts, um in kleinen Häppchen das Wissen weiterzugeben“, sagte Dörr. „Wichtig ist die aufsuchende Versorgung für junge Patienten, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen.“

Zudem hätten Rehakliniken in Brandenburg eine Spezialisierung auf die Versorgung von Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom vorgenommen. „Wir brauchen Strukturen, die Patienten brauchen Strukturen.“ Dies gelte im Übrigen auch für Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen.

Der vom Bündnis Sarah Wagenknecht (BSW) als Experte benannte Geschäftsführer des anthroposophisch orientierten Krankenhauses Havelhöhe in Berlin Harald Matthes verwies darauf, dass Ärzten oft das breite Wissen zum Umgang mit Long-COVID-Erkrankungen fehle.

„Wir brauchen eine spezielle Diagnostik und Therapiekonzepte für schwere Fälle“, sagte er. „Wir brauchen eine aufsuchende Versorgung für schwere Fälle, die in abgedunkelten Zimmern im Bett liegen.“

Ähnlich wie der von der AfD benannte Experte Andreas Christian Sönnichsen sprach sich Matthes für einen Verzicht auf die Corona-Impfung aus. Die Risiken der Impfung würden derzeit den Nutzen übersteigen.

Der kommissarisch die Aufgaben des Staatssekretärs im Potsdamer Gesundheitsministerium wahrnehmende Leiter der Gesundheitsabteilung, Michael Zaske, betonte die Notwendigkeit weiterer Forschungsnetzwerke. „Wichtig ist, dass der Bund 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat“, sagte Zaske. „Wir müssen die Möglichkeiten haben, diese Leistungen adäquat zu erbringen.“ Auch im ambulanten Bereich brauche es hier mehr aktive Unterstützung.

benl

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