Politik

Wissenschaftsjahr 2026: Medizin der Zukunft soll bürgernah vermittelt werden

  • Dienstag, 20. Januar 2026
Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt /Groß
Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt /Groß

Berlin – Beim diesjährigen Wissenschaftsjahr des Bundesforschungsministeriums (BMFTR) dreht sich alles um die Medizin der Zukunft. Das Thema solle alle Bürgerinnen und Bürger im Land ansprechen, sagte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) heute zum Auftakt in Berlin. Man wolle das Format bekannter machen und wegkommen vom Vorwurf der Wissenschaft als elitärem Bereich.

Seit dem Jahr 2000 zielt das Wissenschaftsjahr mit jährlich wechselnden Themen darauf ab, das Interesse für Forschung in der Bevölkerung zu stärken. Mit mehr als 1.000 Veranstaltungen bundesweit soll ein Dialog zwischen Wissenschaft und Menschen verschiedener Altersgruppen ermöglicht werden.

Wenn es das Format nicht schon gäbe, müsse es sofort erfunden werden, betonte Bär. Denn man erlebe in diesen Zeiten auch im Parlament, „dass sehr oft Fakten angezweifelt werden, dass Wissenschaftler beleidigt werden“. In der Wissenschaft tätige Frauen treffe dies noch stärker. Dem müsse gezielt etwas entgegengesetzt werden.

Beispiele von Roboter bis Drohne

„Wir wollen Forschung anschaulich machen“, betonte Bär. Man bringe sie ins Lokale, in die Regionen und Gemeinden auch jenseits der großen Städte. Die wichtige Devise sei: Man wolle erklären statt belehren. Nach ihrer Auffassung sei „eine intrinsische Motivation immer wesentlich besser als der erhobene Zeigefinger“.

In der Ausstellung Futurium, wo das Wissenschaftsjahr eröffnet wurde, machte sich Bär bei einem Rundgang in einem begehbaren Gebärmutter-Modell ein Bild von verschiedenen möglichen Erkrankungen. Sie sprach kurz mit einem humanoiden Roboter, der zur Entlastung von Menschen in Pflegeberufen gestaltet wurde. Zudem ließ sich die Ministerin eine Drohne zeigen, die für die Lieferung von Medikamenten auf der letzten Meile in der Palliativversorgung gedacht ist.

Auf eine Frage des Deutschen Ärzteblattes nach ihrer Vorstellung von der Medizin der Zukunft sagte Bär, sie glaube, dass viele Erkrankungen, die heute noch als unheilbar gelten, in Zukunft heilbar werden könnten. Sie verwies auch auf die Vision von mRNA-Impfstoffen, die gegen Krebs den großen Durchbruch bringen könnten, und die Möglichkeit eines künftig längeren Überlebens mit Krankheiten, die einst als Todesurteil galten.

„Zudem ist im Bereich der Prothetik extrem spannend, was möglich ist“, etwa in Hinblick auf Tastsinn und Temperaturempfinden, sagte die Ministerin.

Ein Fokus liegt auf Frauengesundheit

In einem Statement betonte Bär, dass Gesundheitsforschung priorisiert und die Prävention gestärkt werden sollen. Insbesondere hob sie die Rolle der Frauengesundheit und geschlechtersensiblen Forschung hervor. Die bisherige Arbeit zu Geschlechterunterschieden bei der Entstehung vieler Erkrankungen und der notwendigen Behandlung sei noch nicht ausreichend.

Die Ministerin plädierte bei diesen Themen für eine Führungsrolle Deutschlands – auch vor dem Hintergrund der Entwicklung in anderen Ländern der Welt, „wo wichtige Daten, die wir zwingend brauchen, auch bei unseren Bündnispartnern gar nicht mehr erhoben oder gerettet werden“.

In dieser Legislaturperiode stünden knapp 90 Millionen Euro dafür zur Verfügung, darunter etwa Fördermaßnahmen zum Erforschen von Endometriose. Bär plädierte zudem dafür, dass die Medizin der Zukunft weiblicher werden müsse: Bei der Frauenquote in Spitzenjobs in der Medizin sei hierzulande noch viel Luft nach oben.

Aktion will zum Planen von Vorsorgeuntersuchungen animieren

Daneben hob Bär hervor, dass Ende Januar die Nationale Dekade zum Thema postinfektiöse Erkrankungen starten solle, damit man in Zukunft mehr über Entstehung, Mechanismen und Therapien wisse. Das Ministerium hatte bereits Ende vergangenen Jahres 500 Millionen Euro dafür angekündigt, verteilt auf zehn Jahre. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete.

Für das aktuelle Wissenschaftsjahr werben Bär zufolge erstmals auch Botschafterinnen und Botschafter. Dabei ist zum Beispiel die Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel: Mit ihr startete die Ministerin im Januar einen Aufruf in sozialen Medien wie Facebook: Nutzerinnen und Nutzer sollen innerhalb dieses Monats bereits alle Vorsorgetermine für das neue Jahr planen.

Weitere solcher Challenges zu verschiedenen Themen sollen monatlich folgen, kündigte Bär an. Neben dem BMFTR wird das Wissenschaftsjahr von der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) organisiert.

ggr

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