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Bundibugyo-Ebola: Noch Monate bis zum Start von klinischen Impfstoffstudien

  • Mittwoch, 20. Mai 2026
/picture alliance, Thomas Banneyer
/picture alliance, Thomas Banneyer (Archivbild)

Genf – Bis es einen Impfstoff gegen die Bundibugyo-Ebolavirusvariante gibt, könnte es noch Monate dauern, hieß es heute auf einer Pressekonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gleichzeitig erwartet die WHO steigende Fallzahlen und geht von einer hohen Dunkelziffer von Infizierten aus.

Während das Risiko auf nationaler und regionaler Ebene hoch ist, schätzt die WHO das Risiko auf globaler Ebene als gering ein. WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach von knapp 600 Verdachtsfällen – hauptsächlich in der Demokratischen Republik Kongo – und 139 Todesfällen. Die WHO geht davon aus, dass die wahre Zahl deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle gemeldet werden.

Die WHO hat Szenarien entwickelt, wie sich die Lage in der betroffenen Regionen entwickeln könnte. Sie hält 400 bis 800 Todesfälle für möglich, in einem „Worst-Case-Szenario" auch 1.000 Todesfälle.

Zurzeit gibt es gegen die Bundibugyo-Ebolavariante weder Medikamente noch Impfstoffe. Laut dem WHO-Experten Vasee Moorthy ist der vielversprechendste Kandidat bislang nur an Tieren getestet worden und es gibt keine verfügbaren Impfstoffdosen für klinische Studien (The Journal of Infectious Diseases 2023; DOI: 10.1093/infdis/jiad207). „Bis es soweit ist, könnte es sechs bis neun Monate dauern", so Moorthy.

Daneben gibt es dem Experten zufolge einen weiteren Kandidaten, für den bislang allerdings keine Tierstudien vorhanden sind. Zwar könnten hier womöglich Impfstoffdosen in zwei bis drei Monaten für Tests bereitstehen, doch müsse die Wirksamkeit erst in Tierstudien getestet werden.

Überwachung statt Impfung

Um die Epidemie einzudämmen, setzt die WHO daher insbesondere auf eine Überwachung des Infektionsgeschehens, die Identifizierung von Kontaktpersonen und Quarantäne, wie Lucille Blumberg erklärte. Sie ist Vorsitzende eines von der WHO einberufenen Notfallausschuss unabhängiger Fachleute.

Blumberg betonte zudem, dass das Ebola-Virus nur durch engen Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten von Infizierten übertragen werde, nicht durch zufällige Begegnungen. Deshalb sieht der Ausschuss auch keinen Anlass für offizielle Reisebeschränkungen.

Ungeachtet dessen hat das benachbarte Ruanda seine Grenze zum Osten des Kongo bereits geschlossen. Die USA haben für den Kongo ihre höchste Reisewarnung ausgegeben und Einreisebeschränkungen für Personen ohne US-Pass verhängt, die sich kürzlich im Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben.

Infektionsgeschehen vermutlich vor Monaten gestartet

Der erste bekannte Fall erkrankte Ende April in der nordöstlichen Provinz Ituri. Das Infektionsgeschehen könnte jedoch bereits weitaus früher seinen Anfang genommen haben. „Angesichts des Ausmaßes glauben wir, dass es vermutlich vor einigen Monaten begonnen hat“, sagte die WHO-Spezialistin Anaïs Legand.

Hinzu kommt nach Angaben der WHO, dass die Ebola-Symptome denen endemischer Krankheiten wie Malaria oder Typhus ähneln, sodass die Krankheit nicht direkt als solche identifiziert wurde. Ein weiterer Grund für die späte Entdeckung ist, dass der Standardtest für Ebola die Bundibugyo-Variante nicht erkannt hat.

Kämpfe rivalisierender Milizen in der Region verschlechtern die gesundheitliche Versorgung ebenfalls. So sind der WHO zufolge rund 100.000 Menschen auf der Flucht, was die Eindämmung des Infektionsgeschehens zusätzlich erschwert.

Die USA wollen bis zu 50 Behandlungszentren zur Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs im Kongo und Uganda finanzieren. Die schnell eingerichteten Kliniken sollen medizinische Versorgung und Eindämmungsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten unterstützen, wie das US-Außenministerium mitteilte.

Die WHO-Fachleute betonten bei ihrer Pressekonferenz in Genf, wie wichtig es sei, nicht mit großen Delegationen ins Land zu reisen in dem Glauben, dort dann alles richten zu können. Vielmehr frage die WHO immer, bei welchen Aufgaben die Lokalbehörden vor Ort Unterstützung bräuchten. Die Demokratische Republik Kongo sei im Umgang mit Ebola sehr erfahren.

Laut Auswärtigem Amt hält sich derzeit eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger Land auf. Im benachbarten Uganda habe sich eine mittlere dreistellige Zahl Deutscher in der Krisenvorsorgeliste „Elefand" registriert. Für Bundesbürger im Ausland gibt es keine Meldepflicht.

Ebola-Patient und Kontaktpersonen an der Charité Berlin

In Berlin kam unterdessen in der Nacht in einem speziell ausgestatteten Krankentransporter der US-amerikanische Arzt an, der sich im Kongo angesteckt hatte. Er wurde auf Bitten der US-Behörden in Deutschland aufgenommen.

„Zum jetzigen Zeitpunkt äußern wir uns nicht zum Gesundheitszustand des Patienten“, teilten das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Krankenhaus Charité mit. Der Mann befindet sich in der geschützten Sonderisolierstation des Universitätsklinikums. Seine Ehefrau und vier Kinder, die als Kontaktpersonen gelten, sollen ebenfalls auf die Station der Charité aufgenommen werden, gab das BMG heute bekannt.

Welche Behandlung notwendig ist, hängt vom Gesundheitszustand des Patienten bei der Aufnahme ab. Deshalb beginnt nach Angaben des Ministeriums zunächst eine tiefgehende Untersuchung und Diagnostik: Die räumliche Nähe zum Robert-Koch-Institut sei dabei ein großer Vorteil. In einem Speziallabor könnten Forschende unter anderem komplexe Blutuntersuchungen machen.  Am wichtigsten sei die Möglichkeit, den Patienten trotz höchster Schutzstufe intensivmedizinisch behandeln zu können – das erhöhe die Überlebenschancen deutlich.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte: „Für die Bundesregierung ist es selbstverständlich, dass wir unseren Partnern helfen.“ Deutschland verfüge über ein leistungsfähiges Versorgungsnetzwerk, auch für Patienten mit hochinfektiösen Krankheiten. „Sie werden bestmöglich versorgt – und wir wahren dabei die höchsten Sicherheitsvorkehrungen."

mim/dpa

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